Lkw-Drama in Essex – 39 Tote stammen aus China

Grausamer Fund : Lkw-Drama in Essex – Tote stammen aus China

Maurice Robinson macht einen Horror-Fund im Laderaum seines Lkw. 39 Menschen sind dort erstickt. Die Behörden ermitteln – auch gegen den Fahrer.

Maurice Robinson, so soll er später einem Freund erzählen, erledigte noch Papierkram, bevor er die Tür seines Lkw-Containers öffnete, hinter der der 25-Jährige angeblich Kekse und Pilze aus Irland vermutete. Stattdessen fand der Brite 31 Männer und acht Frauen, die übereinander lagen, vermutlich erfroren in dem bis zu minus 25 Grad Celcius kalten „Metall-Sarg“, wie Medien den schalldichten Anhänger nannten. Ein Entrinnen gab es für die 39 Menschen nicht. Sie stammen allesamt aus China. Noch ist wenig über die Hintergründe bekannt, aber die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Und spricht von einer „langwierigen Untersuchung“. Die Identifizierung der Opfer habe oberste Priorität. Es sei „absolut unerlässlich, dass die Ermittlungen mit dem größten Respekt für die 39 Menschen geführt werden, die ihr Leben verloren haben“, sagte die stellvertretende Polizeichefin von Essex, Pippa Mills. Am Fundort, wo Ermittler auch gestern möglichen Spuren nachgingen, haben Menschen Blumen vor die Absperrbänder abgelegt.

Bekannt ist mittlerweile nur der letzte Abschnitt der langen Reise aus China. Diese führte die 39 Menschen vom belgischen Hafen Zeebrugge aus per Schiff ins britische Purfleet, wo der Sattelauflieger am Mittwoch früh morgens ankam. Seit wann sich die Chinesen in dem Lastzug befanden, muss noch geklärt werden. Der 25-jährige Robinson holte den Anhänger mit seinem Lkw ab und führte ihn in den nur wenige Fahrminuten entfernten Industriepark in Grays, ein beliebter Übernachtungsort für Fahrer. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen den Lastwagen mit dem bulgarischen Kennzeichen im Gewerbegebiet um 1.10 Uhr. Kurz darauf öffnet Robinson, den alle nur Mo nennen, die Tür, sieht die Leichen – und wählt den Notruf. Die kurz darauf eintreffenden Rettungskräfte können nichts mehr tun. „Er war absolut entsetzt“, wird ein enger Freund von Robertson in britischen Medien zitiert. Der Nordire wurde festgenommen, er steht unter Mordverdacht. Unklar ist, ob er von seiner Fracht wusste und die Leichen zufällig entdeckte. Die Polizei führte gestern in Nordirland im Umfeld von Robinson, dessen Partnerin Zwillinge erwartet, mehrere Durchsuchungen durch.

Großbritannien wird mit dieser Tragödie an einen Fall aus dem Jahr 2000 erinnert, bei dem ebenfalls Chinesen ins Königreich geschmuggelt werden sollten. Zollbeamte am Hafen von Dover kontrollierten einen vorgeblich mit Tomaten beladenen Kühlcontainer – und entdeckten stattdessen die Leichen von 58 Menschen, alle qualvoll erstickt.

Seit einigen Jahren wurden die Kontrollen in den Kanalhäfen verschärft – vor allem in Dover. Trotzdem versuchen nach wie vor zahlreiche Migranten regelmäßig auf die andere Seite des Ärmelkanals zu gelangen. Immer wieder kommen Menschen bei diesem Versuch ums Leben. 

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