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Konflikt in Caracas wird zum Machtspiel zwischen Russland und den USA.

USA und Russland : Verbissenes Kräftemessen in Venezuela

Der Konflikt in Caracas wird mehr und mehr zum Machtspiel zwischen Russland und den USA. Wer wird am Ende gewinnen: Moskau mit Maduro oder Washington mit Guaidó?

Im krisengebeutelten Venezuela geht es nicht nur um die Frage, wer künftig das ölreiche Land regiert – der Konflikt ist auch zum Machtkampf zwischen den USA und Russland geworden. Seit Januar will die US-Regierung Präsident Nicolás Maduro aus dem Amt treiben, US-Außenminister Mike Pompeo sah das Ziel in dieser Woche schon fast erreicht. Dem Sender CNN sagte er, Maduro sei bereit zur Ausreise nach Kuba gewesen, auf dem Rollfeld habe schon ein Flugzeug gewartet. Die Klarstellung aus Moskau kam prompt: Alles falsch. Maduro bleibt. Das Kräftemessen zwischen dem Weißen Haus und dem Kreml weckt Erinnerungen an den Kalten Krieg.

Für Russland steht viel auf dem Spiel. Moskau könnte Milliarden verlieren, sollte der selbsternannte Präsident Juan Guaidó den Machtkampf gewinnen. Venezuela ist etwa Russlands größter Waffenkunde in Lateinamerika. Zudem hat der russische Ölkonzern Rosneft Milliarden in das Geschäft mit dem schwarzen Gold investiert. Aber auch ein geopolitischer Verlust droht: Russlands Engagement in dem Land gilt auch als Antwort auf die Aktivitäten der USA auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion, wo Russland sich in seiner Einflusssphäre gestört sieht.

Es sei aber unvorhersehbar, wie das Kräftemessen in Venezuela ausgeht, schrieb der Moskauer Außenpolitik-Experte Fjodor Lukjanow unlängst. Zwar kann Maduro auch auf Unterstützung anderer autoritärer Staaten wie Kuba, China, der Türkei und des Irans setzen. Klar ist Russland aber auch, dass Trump schon jetzt hoch gepokert hat. „Sie sind schon sehr weit gegangen, um jetzt einfach zurückzuweichen“, meinte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

US-Präsident Donald Trump war am 23. Januar der Erste, der den Parlamentschef Guaidó als rechtmäßigen Übergangspräsidenten anerkannte. Dem Schritt folgten mehr als 50 weitere Staaten, darunter auch Deutschland. Immer härtere Sanktionen führten aber seither nicht dazu, dass Guaidó in Caracas die Macht übernehmen konnte. Vielmehr sprechen russische Politiker und Experten Guaidó mittlerweile zunehmend selbstbewusst Führungsstärke ab. Er sei nicht in der Lage, das wichtige Militär auf seine Seite zu ziehen, einen Putsch zu organisieren oder die Erwartungen Washingtons erfüllen.

Nicht zuletzt nutzt Moskau die Lage auch für einen Seitenhieb gegen die US-Außenpolitik. Als Trump Guaidós Ehefrau im Weißen Haus empfing, fragte Außenministeriums-Sprecherin Sacharowa, ob das nun irgendein neues außenpolitisches Format sein solle. Die Antwort gab sie selbst: „Das ist einfach nur absurd.“

Der Schlagabtausch wird härter. Beide Seiten werfen sich vor, die Lage in Venezuela zu verschärfen. Bei einem Telefonat mit seinem Kollegen Pompeo drohte der russische Außenminister Sergej Lawrow mit „drastischsten Konsequenzen“, sollte Washington seine „aggressiven Schritte“ fortsetzen. Vor allem warnen die Russen vor einem militärischen Eingreifen. Pompeo warf dagegen Moskau vor, „dass die Intervention Russlands und Kubas destabilisierend für Venezuela und für die bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Russland ist“.

Am Freitag telefonierten schließlich Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin miteinander – über eine Stunde lang. Der US-Präsident sprach von einem sehr guten Gespräch, aber beide Seiten wiederholten öffentlich eher ihre altbekannten Positionen.

Die Spannungen schaukelten sich auch hoch, als Moskau im März rund 100 „Militärberater“ nach Caracas flog. Trumps Nationaler Sicherheitsberater, der Hardliner John Bolton, warnte vor „solchen provokanten Handlungen“. Zwar betonte Moskau, dass die Experten gemäß eines Abkommens über die militärisch-technische Zusammenarbeit im Land seien. Sie seien nicht für Kampfeinsätze ausgebildet. Aber überprüfbar ist das kaum. Russland mahnt seither, den Konflikt friedlich und durch innenpolitischen Dialog und Reformen zu lösen.

Die Krise in Venezuela ist nicht die einzige, in der Russland und die USA gegnerische Kräfte unterstützen. In Syrien etwa sieht es ähnlich aus – da hat sich Moskau durchgesetzt: Eine Ablösung von Machthaber Assad steht derzeit nicht mehr zur Debatte. Syrien ist aus Sicht der USA allerdings weit entfernt. Ganz anders Lateinamerika, eine Region, die die USA über Jahrzehnte quasi als ihren Hinterhof betrachteten und in der sie immer wieder intervenierten. Umso größer ist nun die Sorge über den wachsenden russischen Einfluss in der Gegend.