Kommentar : Die Facebook-Farce

Was bleibt als wichtigster Eindruck von der Facebook-Entwicklerkonferenz zurück? Die Antwort ist einfach: Mark Zuckerberg nimmt die Privatsphäre der Nutzer so ernst, dass er Witze macht und ironisch betont, man habe ja bisher nicht die stärkste Reputation beim Datenschutz.

Warum sich der Mitgründer des Social-Media-Giganten dies leisten kann, ist nachvollziehbar. Bisher hat Facebook weder in den USA noch in Europa fühlbare Konsequenzen für den Daten-Missbrauch gespürt, den die Plattform in den letzten Jahren so intensiv und gewinnbringend betrieben hat. Erst jetzt, nachdem sich kritische Stimmen auch in der Politik mehren, hat Zuckerberg die Flucht nach vorn angetreten und das, was wie eine Farce wirkt, erklären lassen: Die Zukunft Facebooks gehöre der Privatsphäre.

Dieser kuriose Neustart-Versuch ist ungefähr so, als erklärte ein Heroin-Abhängiger, künftig nur noch ab und zu Marihuana rauchen zu wollen. Im März noch musste Facebook zugeben, Millionen Passwörter so gespeichert zu haben, dass Mitarbeiter sie einsehen konnten. Und das ist nur ein kleiner Teil in einer langen Kette von Fehltritten, durch die Außenstehende etwa versuchen konnten, die US-Wahl zu manipulieren. Oder durch die Massenmörder ihre Bluttaten live streamen konnten. Warum also dem stets überfordert wirkenden Konzern-Chef jetzt glauben? Seien wir ehrlich: Das Kerngeschäft von Facebook wird auch weiterhin sein, alle Informationen über Nutzer irgendwie zu Geld zu machen.