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Kommentar: Biden wird es schwer haben mit der Versöhnungsstrategie

Kommentar : Biden wird es schwer haben mit der Versöhnungsstrategie

Zehntausende Anhänger von Donald Trump schickten mit ihrer Solidaritäts-Demonstration ein klares Rauchzeichen ins Weiße Haus: Mach weiter bei deinem Kampf gegen eine „gestohlene Wahl“ (Trump) und das, was der Präsident auf Twitter als „verfassungswidrigen Betrug“ bezeichnete.

Damit sendete der mit seiner persönlichen Götterdämmerung konfrontierte Trump an die Fans erneut ein falsches wie gefährliches Signal. Denn obwohl er ein Gerichtsverfahren nach dem anderen verliert und es immer noch keine Beweise für breit angelegte Unregelmäßigkeiten gibt, hält er Joe Biden weiter für einen Sieger, dem es an demokratischer Legitimität fehlt. Dieser habe „gewonnen, weil die Wahl manipuliert“ worden sei, so der Präsident am Sonntag.

Auch wenn es nun – auch aufgrund dieser Aussage – erste Anzeichen gibt, dass ein zuletzt deprimiert wirkender Trump damit begonnen hat, sich mit seiner Niederlage innerlich abzufinden – die von ihm verbreiteten Durchhalte-Parolen geben wenig Hoffnung für Biden, die in seiner Siegesrede angekündigte Versöhnungs-Strategie realisieren zu können. Denn wer den politischen Gegner weiter hasst und ihm kriminelles Verhalten bei einer Abstimmung unterstellt, der dürfte nicht zu einem Brückenschlag über den tiefen Graben bereit sein, der das Land trennt. Den USA stehen also in den kommenden vier Jahren in der Politik und zerstrittenen Gesellschaft schwere Zeiten bevor.