Kommentar: Alles oder nichts in Venezuela

Kommentar : Alles oder nichts in Venezuela

Man möchte schon gerne wissen, was Juan Guaidó dazu bewog, einen Tag vor der groß angekündigten Massendemo zum 1. Mai mit der Befreiung seines Mentors López die chavistische Regierung herauszufordern.

War es ein Akt der Verzweiflung oder sollte es ein Überraschungscoup werden? Klar ist jedenfalls, dass es eine Alles-oder-Nichts-Wette auf die Macht in Venezuela war. Entweder ist Machthaber Maduro in einigen Tagen verdrängt, oder Guaidó sitzt im Gefängnis.

Vermutlich haben der junge Oppositionspolitiker und seine schlechten Berater in Washington die Nerven verloren angesichts der Tatsache, dass Maduro trotz Sanktionen, weltweiter Ächtung und einer entnervten Bevölkerung noch immer im Miraflores-Palast sitzt. Die Chavisten haben in 20 Jahren an der Macht gelernt, sich gegen Sturm und Drang der Gegner zu behaupten. Dass sie gehen müssen und werden ist klar, aber es braucht Zeit und intelligentere Strategien als zu Demos zu rufen und mit dem Einmarsch der USA zu drohen.