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Fall der getöteten Schwarzen Breonna Taylor: Fakten interessieren kaum

Kommentar : Fakten interessieren kaum

Wieder einmal ist es ein offensichtlich verunglückter Polizeieinsatz, an dem sich in den USA die Geister scheiden. Donald Trump, der Präsident, der Öl ins Feuer gießt, statt zu schlichten, hofft darauf, dass der Streit eskaliert.

Deshalb wirft er friedlich Protestierende bedenkenlos in einen Topf mit gewalttätigen Trittbrettfahrern, die Geschäfte in Brand stecken. Wird auch die Mittelschicht von der von ihm geschürten Angst erfasst, hofft er, wird er am 3. November wiedergewählt.

In diesem gesellschaftlichen Klima, im erbitterten Ringen um die Deutungshoheit, scheinen Fakten allenfalls am Rande zu interessieren. Fest steht: In der Nacht auf den 13. März wird Breonna Taylor von sechs Kugeln getroffen. Unbewaffnet, im Schlaf überrascht, bezahlt sie für eine Drogenrazzia, die aus dem Ruder läuft, mit ihrem Leben. Die Vorgeschichte ist kompliziert, eine Zeit lang war sie tatsächlich mit einem Rauschgiftdealer liiert, den die Fahnder im Visier hatten. Doch nichts kann die Schüsse rechtfertigen, denen sie unschuldig zum Opfer fiel. Man könnte es eine Tragödie nennen, wie es der republikanische Generalstaatsanwalt Kentuckys getan hat. Oder aber die Causa Taylor zum Anlass nehmen, um mit kühlem Kopf darüber nachzudenken, was sich ändern muss.