Der Big-Ben-Bong schlägt den Briten aufs Gemüt. Im Vereinigten Königreich ist ein bizarrer Streit um das berühmte Londoner Glockengeläut in der Brexit-Nacht am 31. Januar entbrannt. 

Brexit : Der Big-Ben-Bong schlägt den Briten aufs Gemüt

Im Vereinigten Königreich ist ein bizarrer Streit um das berühmte Londoner Glockengeläut in der Brexit-Nacht am 31. Januar entbrannt.

Im Sommer 2017 trat ein achtjähriges Mädchen in einer britischen Morgen-TV-Show auf und wurde als Ersatz für die Glocke Big Ben präsentiert. Es war der Tag, an dem die Glocken vorerst zum letzten Mal läuteten, weil der Elizabeth Tower, der berühmte Londoner Uhrenturm, wegen Renovierungsarbeiten für vier Jahre verstummen sollte.

Die Briten hegen nämlich eine ganz besondere Beziehung zu der größten der fünf Glocken. Und so kommt es vermutlich kaum überraschend, dass auf der Insel nun ein völlig bizarrer Streit darüber entbrannt ist, ob am 31. Januar um 23 Uhr Ortszeit Big Ben ertönen soll.

Die europaskeptischen Brextremisten auf der Insel jedenfalls wollen mit dem Bong ihren Unabhängigkeitsmoment feiern. Die Pro-EUler schütteln den Kopf. Denn es geht keineswegs nur um politische Differenzen. Das Läuten der Big-Ben-Glocke Schlag elf würde rund eine halbe Million Pfund kosten, weil der Turm wie auch der gesamte neugotische Westminster-Palast noch immer saniert werden. Das sind mehr als 45 000 Pfund pro Bong. Lediglich zum Volkstrauertag und zu Neujahr wurde ein provisorischer Boden eingezogen, um die 13,7 Tonnen schwere Big-Ben-Glocke zum Schlagen zu bringen. Würde man diesen sowie einen temporären Glockenantrieb für die Brexit-Feierlichkeiten abermals installieren müssen, so  die zuständige Baukommission, koste das inklusive der Testläufe und der verzögerten Sanierungsmaßnahmen umgerechnet knapp 590 000 Euro.

Am Parliament Square vor dem neugotischen Gebäude findet die große Party am Brexit-Abend statt. Es sei für ihn „unfassbar“, dass die „ikonischste Uhr der Welt“ nicht diesen historischen Moment markieren soll, befand der Chef der Big-Ben-Brigade, Mark Francois. Der konservative Abgeordnete hat deshalb mit der Organisation StandUp4Brexit eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Bis gestern wurden knapp 270 000 Pfund an Spenden eingenommen. Francois hofft auch auf Premierminister Boris Johnson. Der zeigt sich überraschend zurückhaltend bei dem Thema. Zwar rief er noch Anfang letzter Woche zu einer privaten Sammelaktion auf, kurz darauf aber ruderte der Regierungschef zurück. Denn allzu triumphale Züge könnten sich rächen und sein an die Nation gegebenes Versprechen untergaben, Brexit-Anhänger und -Gegner zusammenzubringen. Als Kompromiss hat Downing Street deshalb angekündigt, via Lichtshow eine Uhr auf den Amtssitz des Premiers zu projizieren, die zum Countdown ansetzen soll – ohne Geläut. Für diesen „Notfall“ haben einige feierwütige Europaskeptiker bereits einen Plan B für das Fest erdacht. Sie wollen um 23 Uhr elf Big-Ben-Schläge per Ghettoblaster einspielen.