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Elly Schlein: Italiens Linke hat einen neuen jungen Star

Elly Schleins sensationeller Erfolg bei Regionalwahl in Emilia Romagna : Italiens Linke hat einen neuen jungen Star

Noch vor einer Woche war Elly Schlein eine weitgehend unbekannte, ehemalige Europaabgeordnete. Heute ist die 34-jährige Italienerin mit US-Pass das Gesicht der italienischen Linken und ein neuer Politstar.

Am 26. Januar vereitelte die Linke – unterstützt von der neuen Sardinen-Protestbewegung – den Versuch von Rechtspopulist Matteo Salvini, die Mitte-Links-Regionalregierung in der Emilia Romagna, eine historische Hochburg der Linken, zu entmachten. Die Niederlage bremste den aufwieglerischen Ex-Innenminister auch bei seinem Plan aus, wieder die Macht in ganz Italien zu übernehmen.

Nur Tage vor der Regionalwahl schoss Schleins Bekanntheitsgrad in die Höhe, als sich ein Video von ihr viral verbreitete: Darin konfrontiert sie Salvini mit der Frage, warum er bei 22 Sitzungen über Migrationspolitik im EU-Parlament fehlte. Salvini ließ Schlein 80 Sekunden warten, während er auf sein Smartphone schaute, und murmelte dann, er sei da gewesen, als es zählte.

Mit nur drei Monaten Wahlkampf für einen Sitz im Regionalrat der Emilia-Romagna gewann Schlein unter allen Kandidaten, deren Namen Wähler per Hand auf den Stimmzettel schreiben mussten, die meisten Stimmen in der Geschichte der Region. Mit ihrer Liste Emilia Romagna Coraggiosa (Mutige Emilia Romagna) konnte sie die 51-prozentige Mehrheit des Mitte-Links-Amtsinhabers der Demokratischen Partei um fast vier Prozentpunkte steigern. Seither wird in ganz Italien über Schleins politische Zukunft spekuliert.

Wegen ihres überraschenden Erfolgs als Aktivistin und Außenseiterin wird die in der Schweiz aufgewachsene Politikerin bereits mit der New Yorker Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez verglichen. In den USA arbeitete sie ehrenamtlich bei zwei Wahlkämpfen des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama mit.

In Bologna wird Schlein inzwischen auf der Straße erkannt – Wildfremde wollen ihre Hand schütteln. Schlein lebt seit 15 Jahren in der norditalienischen Stadt, die vergangenen fünf Jahre pendelte sie von hier nach Brüssel als EU-Abgeordnete.

Während eines Interviews in den berühmten Säulenhallen von Bologna wurde sie mehrfach von Passanten angesprochen. Ein Mann lobte sie als „Wunder“ und erklärte sie zur nächsten Anführerin der italienischen Linken. Ihren Erfolg könnte sie nun als Druckmittel nutzen, um eine Schlüsselrolle in der Regionalpolitik zu fordern. Ihr sensationelles Ergebnis zwang auch den Vorsitzenden der Demokratischen Partei, Nicola Zingaretti, über eine mögliche Rolle Schleins in der Partei nachzudenken, die sie 2015 wegen interner Querelen verlassen hatte.

Schlein betont jedoch: „Im Moment bin ich eindeutig glücklich, wo ich bin. Ich beobachte mit Interesse Bewegungen innerhalb der Demokratischen Partei. Ich schaue mit Interesse und Respekt auf ihre Autonomiebestrebungen innerhalb der Sardinen-Bewegung. Ich glaube, dass der gesamte progressive, ökologische Bereich der Linken wieder aufgebaut werden muss.“

Schlein glaubt, ihre Erfahrung als Obamas Wahlkampf-Helferin habe ihre politische Organisationskompetenz geprägt. Dabei habe sie nämlich gelernt, „verschiedene Welten“ über Generationen und Interessen hinweg zusammenzubringen und nicht nur Wählerstimmen, sondern auch politisches Handeln einzufordern.

Nun will sie eine politische Heimat schaffen für die Italiener, die unzufrieden sind mit liberalen und linken Kräften im Land, die zwar ähnliche Ideale haben, aber durch politische Persönlichkeiten in mehr als ein halbes Dutzend Parteien zersplittert sind – darunter auch die Demokratische Partei.