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Die Operation „Luftbrücke“ läuft

Rückholaktion : Die Operation „Luftbrücke“ läuft

Mehr als 100 000 deutsche Urlauber, die wegen der Corona-Krise im Ausland festsitzen, werden zurückgeholt. Eine historische Aktion.

Die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Bundesrepublik ist angelaufen. Am Mittwochnachmittag landete in München die erste von der Bundesregierung gecharterte Maschine mit Urlaubern aus Tunesien, die wegen Reisebeschränkungen in der Corona-Krise in dem nordafrikanischen Land gestrandet waren. Am Abend wurden zwei Maschinen aus dem ägyptischen Badeort Hurghada in München und drei aus Marokko in Frankfurt erwartet. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind noch mehr als 100 000 deutsche Touristen im Ausland – unter immer schlechter werdenden Bedingungen.

Der Lufthansa-Airbus aus Tunesien brachte etwa 150 Urlauber zurück nach Deutschland. Nach Passagierangaben war er nur zu drei Vierteln gefüllt. Susanne Schlaadt aus Nordrhein-Westfalen berichtete von chaotischen Verhältnissen bei der Abreise. „Die haben uns seit Montag am Flughafen mit gecancelten Flügen fast verhungern lassen“, sagte die Krankenschwester. Die Imbisse seien alle geschlossen gewesen, mehr als 1000 Deutsche hätten letztlich am Flughafen auf die Rückreise gewartet.

In den vergangenen Tagen hatte Tunesien wie zahlreiche andere Länder weltweit wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind Bundesbürger besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte deswegen am Dienstag angekündigt, Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Linienflüge mehr gibt. Dafür sollen von Lufthansa, Condor und Tui für 50 Millionen Euro 30 bis 40 Maschinen gechartert werden. Die Passagiere müssen sich voraussichtlich mit dem Betrag für ein Economy-Ticket an den Kosten beteiligen.

Neben den Regierungs-Flügen organisieren die Fluglinien und Reiseveranstalter schon seit dem Wochenende auf eigene Faust Sonderflüge, um Reisende zurückzuholen.
Zu den Hotspots für die Aktion, die Maas Luftbrücke“ genannt hat, zählt etwa Ägypten, wo zurzeit 30 000 deutsche Touristen auf ihre Heimflüge warten. Die ägyptische Regierung hat angekündigt, ab Donnerstag den Flugverkehr einzustellen. Zahlreiche Hotels in Hurghada am Roten Meer haben Touristen in ihren Zimmern bereits unter Quarantäne gestellt, nachdem auch dort Covid-19-Fälle aufgetaucht sind. Nach offiziellen Angaben sind in der Region Rotes Meer 20 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Viele Urlauber fühlen sich schlecht informiert und von den deutschen Reiseunternehmen im Stich gelassen.

Auch Marokko und Tunesien zählen zu den ersten Zielen der „Luftbrücken“-Flieger. Dort spitzt sich die Lage zu. Die tunesische Regierung verhängte ab Mittwoch eine landesweite nächtliche Ausgangssperre. Schulen, Kindergärten und Restaurants sind geschlossen. Beide Länder haben den Flug- und Fährverkehr weitgehend eingestellt.

In Südafrika auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida Mira“ sitzen 1240 Passagiere vor allem aus Deutschland und Österreich fest. Zuvor waren sechs Verdachtsfälle aufgetreten. Die Tests seien negativ, hieß es nun. Nun sollen die Urlauber ausgeflogen werden.

Für die Philippinen, wo mehr als 1000 Deutsche festsitzen, sind zwei Rückholflüge der Bundesregierung für diesen Donnerstag und Freitag geplant. Weitere sollen folgen. „Wir machen alles, was wir können, um allen zu helfen“, sagte Vize-Botschafter Roland Schissau. Präsident Rodrigo Duterte hatte den südostasiatischen Inselstaat zur Katastrophenregion erklärt.

In den sozialen Medien wird die Rückholaktion kritisch verfolgt. „Wann sind die Touristen abgeflogen? Etwa noch im Februar oder Anfang März? Dann auf Kosten der Steuerzahler diese Leute zurückholen? Geht’s noch?“, lautet ein Kommentar. Allerdings ergingen die offiziellen Warnungen auch spät. Erst seit Sonntag rät die Bundesregierung generell von Auslandsreisen ab.