Nahrungsmittelgesetz in Frankreich: Das Ende der Super-Sonderangebote

Nahrungsmittelgesetz in Frankreich : Das Ende der Super-Sonderangebote

Frankreichs Supermärkte dürfen Produkte nicht mehr unter dem Einkaufspreis an die Kunden verkaufen.

Der französischen Regierung steht neuer Ärger ins Haus. Grund ist das sogenannte Nahrungsmittelgesetz, das am Freitag in Kraft getreten ist. Verabschiedet wurde dieses „Loi alimentation“ in bester Absicht. Es soll verhindern, dass es immer wieder zu den berüchtigten Preiskriegen zwischen den Supermärkten kommt, die meist auf dem Rücken der Produzenten ausgetragen werden. Das kommt in Frankreich vor allem den heimischen Landwirten zugute, die seit Jahren klagen, immer weniger zu verdienen.

Deshalb dürfen die Waren in Zukunft nicht mehr zum Selbstkostenpreis verkauft werden. Der Verkaufspreis muss mindestens zehn Prozent über dem Einkaufswert eines Produktes liegen.

Verlierer sind die Verbraucher. Inzwischen kursieren Listen von Produkten, die wegen der neuen Regelung über Nacht teurer geworden sind. So kostet eine Flasche des in Frankreich sehr beliebten Anis-Schnaps Ricard nun fast 21 Euro, und damit fast zwei Euro mehr als vorher. Und der Preis für ein 750-Gramm-Glas Nutella steigt von knapp vier Euro auf rund 4,40 Euro.

In Zeiten, in denen sich die landesweiten Proteste der sogenannten Gelbwesten an der Preiserhöhung von Benzin um wenige Cent entzündet haben und die Rentner wegen zu niederer Pensionen seit Wochen zu Tausenden auf die Straßen gehen, birgt das neue Nahrungsmittelgesetz reichlich Sprengstoff.

Von Seiten der Unternehmen wird versichert, dass in einem Supermarkt mit einem Angebot von rund 13.000 Produkten allenfalls 500 bis 600 Produkte betroffen seien. Das sind allerdings oft genau jene, die die Verbraucher immer wieder kaufen und deren Preise folglich sehr genau kennen. Wie etwa Ricard, Nutella, Jogurt und Camembert oder auch Coca-Cola. Um die Kunden in die Supermärkte zu locken, werden die Verkaufspreise dieser Waren oft kaum über dem Einkaufspreis kalkuliert.

Christiane Lambert, Präsidentin der Gewerkschaft der Landwirte FNSEA, versichert, dass das Gesetz jeden Franzosen höchstens 50 Cent pro Monat kosten würde. Gleichzeitig ruft sie in Erinnerung, unter welch schlechten finanziellen Bedingungen die heimischen Landwirte leben müssten. Die Verbrauchervereinigung UFC-Que hält entgegen, dass das Gesetz Mehrkosten von deutlich über einer Milliarden Euro für die französischen Haushalte bedeuten würde.

Während sich die Interessenvertreter streiten, überlegen sich die Verantwortlichen in den Supermärkten, wie sie das Gesetz umgehen könnten, um die Kunden weiter in ihre Geschäfte zu locken. Da die für die Verbraucher attraktiven Aktionen mit Supersonderangeboten unterbunden sind, versuchen die Manager neue Wege. Sie hoffen, die Käufer mit Treuekarten zu halten, deren Inhaber in den Genuss von preiswerten Angebote kommen. Gleichzeitig wird sich der „Preiskrieg“ im Bereich der Eigenmarken deutlich heftiger werden. Dort sind die verkauften Margen wichtiger und die Preise zwischen den verschiedenen Supermärkten weniger vergleichbar. So hat das Unternehmen Leclerc bereits angekündigt, die Preise für 4600 Produkte ihrer Eigenmarke Repère zu senken. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz nachzieht.

Mehr von Saarbrücker Zeitung