Carola Rackete – Protagonistin des Sea-Watch-Dramas

Porträt der Kapitänin : Carola Rackete – Protagonistin des Sea-Watch-Dramas

Für die einen – wie zahlreiche Unterstützer, auch in der deutschen Politik – ist sie heldenhaft, beispiellos menschlich und mutig. Aus Sicht der anderen – wie Italiens Innenminister Matteo Salvini – ist sie hochnäsig, eine Gesetzesbrecherin und damit schlichtweg kriminell.

Die deutsche Kapitänin Carola Rackete, die dutzende aus Seenot auf dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge unerlaubt nach Italien gebracht hat, steht im Mittelpunkt der jüngsten umstrittenen Rettungsaktion der Hilfsorganisation Sea-Watch. Wer ist sie?

Die junge Frau mit den Filzlocken hat viel Erfahrung als Seefahrerin. Nach dem Abitur 2007 am Gymnasium in Celle absolvierte sie nach Angaben ihres Vaters ein Nautik-Studium an der Jade Hochschule in Elsfleth bei Oldenburg und schloss mit dem Bachelor ab. Zuletzt studierte sie in Liverpool und machte dort ihren Master-Abschluss. Sie hat weiterhin in Hambühren bei ihren Eltern ihren offiziellen Wohnsitz.

Geboren ist Carola Rackete in Preetz bei Kiel, aufgewachsen in Hambühren in Niedersachsen. Sie ist 31 Jahre alt – und wenn sie Englisch spricht, hört man den britischen Akzent aus der Liverpooler Zeit heraus.

Bevor die Kapitänin, die mehrere Sprachen spricht, 2016 zur Berliner Seenotrettungsorganisation Sea-Watch ging, war sie unter anderem auf einem Forschungsschiff der Umweltorganisation Greenpeace unterwegs und für das Alfred-Wegener-Institut für Meeresforschung in Bremerhaven im Einsatz. Dort ging es damals um Polarforschung. In ihrem Lebenslauf ist zu lesen, dass sie auch zur Zukunft des Naturschutzes in verschiedenen Regionen der Welt forscht.

Mit ihrer Entscheidung, Nautik zu studieren, habe sie die Familie damals überrascht, erzählt ihr Vater Ekkehart Rackete. „Niemand in der Familie hatte jemals einen Draht zur Seefahrt“, sagt der 74-Jährige. Seine Tochter sei aber fest entschlossen gewesen. Sie habe sich nicht einmal durch einen starken Sehfehler abhalten lassen. Das Geld für die nötige Laser-Operation habe sie sich mit Arbeiten in einem Schnellrestaurant verdient.

Wenn sie nicht auf einem Schiff unterwegs ist, ist Carola Rackete auf Reisen – auch gerne alleine: Sie habe bereits auf der Chinesischen Mauer gezeltet und sei durch mehrere Länder in Südamerika getrampt, erzählt ihr Vater. Der 74-Jährige bezeichnet seine Tochter als analytisch und abwägend – was nicht bedeute, dass sie zynisch oder kalt sei. „Sie ist jemand, der sich ziemlich genau überlegt, was er tut und will und nicht tut und nicht will“, sagt er. Blauäugig sei sie nicht. Und: „Eine sozialrevolutionäre Ader hat sie nie gehabt.“ Mitglieder der Organisation Sea-Watch beschreiben sie als ruhig und nervenstark.

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