Bürgerkrieg: Kliniken im Rebellengebiet von Syrien zerstört

Bürgerkrieg : Kliniken in Syriens Rebellengebiet zerstört

Die Region um Idlib erlebt die heftigsten Bombardierungen seit Monaten. 150 000 sind auf der Flucht.

Die neue Angriffswelle auf Syriens letztes großes Rebellengebiet um die Stadt Idlib verschärft die humanitäre Not in der Region. Die Gesundheitsbehörde der gleichnamigen Provinz berichtete am Dienstag, seit Beginn der Angriffe in der vergangenen Woche seien sieben Kliniken und Gesundheitszentren bombardiert worden. Diese wurden demnach zum Teil stark beschädigt oder völlig zerstört. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 150 000 Menschen vor der neuen Gewalt auf der Flucht. Auch neun Schulen wurden demnach getroffen.

Syriens Regierung und ihr Verbündeter Russland hatten in der vergangenen Woche eine neue Serie von Luftangriffen auf die Region begonnen. Die humanitäre Lage dort ist ohnehin seit Monaten angespannt. In dem Gebiet leben rund drei Millionen Zivilisten, rund die Hälfte davon Flüchtlinge. Viele sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Aktivisten berichteten, wegen der neuen Angriffswelle gebe es eine Fluchtbewegung in Richtung der türkischen Grenze.

Die Hilfsorganisation Malteser International erklärte, ein von ihr unterstütztes Krankenhaus in den Ort Kafr Nubl sei nun außer Betrieb. Es war demnach die einzige chirurgische Klinik im Umkreis von 50 Kilometern. Alle von den Maltesern unterstützten Einrichtungen seien über die UN als konfliktneutrale Infrastruktur gemeldet. Gezielte Angriffe stellten eine Verletzung des Völkerrechts dar, gehörten aber zum schrecklichen Alltag der leidenden Zivilbevölkerung in Syrien, erklärte die Malteser-Leiterin Naher Osten, Janine Lietmeyer.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief die Konfliktparteien auf, den im September vereinbarten Waffenstillstand einzuhalten, wie dessen Sprecher Stéphane Dujarric sagte.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte handelt es sich um die heftigsten Bombardierungen seit Monaten. Demnach kamen bisher mindestens 150 Menschen ums Leben. Zuletzt rückten die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad auch am Boden vor.

Die Region rund um Idlib ist nach mehr als acht Jahren Bürgerkrieg das letzte große Rebellengebiet Syriens. Es wird vor allem von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert.