1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Ausland

„Bei Biden weiß man mehr, was man bekommt“ - Interview mit dem Koordinator des Bundestags für transatlantische Zusammenarbeit:

Interview mit Peter Beyer : „Bei Biden weiß man mehr, was man bekommt“

Der Koordinator für transatlantische Zusammenarbeit der Bundesregierung rechnet trotz des Erfolgs des Ex-Vizepräsidenten mit einer zweiten Amtszeit Trumps.

Nach dem „Super Tuesday“ in den USA ist Joe Biden auch für den Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit, Peter Beyer (CDU), der Favorit im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur. Amtsinhaber Donald Trump zu schlagen, werde allerdings schwer, so Beyer im Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Beyer, Joe Biden war politisch schon tot. Jetzt ist er der strahlende Sieger. Wie hat er das geschafft?

BEYER Das hat mich in der Dimension schon überrascht. Ihn vielleicht auch selber. Wir müssen vor allem in die Südstaaten schauen. Dort befindet sich das Klientel, das sich bei Biden aufgehoben fühlt. Ihm hat sehr geholfen, dass er Vizepräsident des ersten afroamerikanischen Präsidenten Obama gewesen ist.

Wer ist ihnen am Ende lieber, Biden oder Sanders?

BEYER Beide haben unterschiedliche Agenden. Sanders steht klar im linken Spektrum, und er ist gegen Freihandel. Das erfreut uns als Bundesregierung selbstverständlich nicht. Bei Biden weiß man mehr, was man bekommt.

Heißt das, mit einem Präsident Biden würden die transatlantischen Beziehungen einfacher werden?

BEYER Dieser Illusion dürfen wir uns nicht hingeben. Die Beziehungen haben sich in den letzten Jahren stark verändert, und sie werden verändert bleiben. Der Interessen- und Präsenzrückzug in vielen Gebieten der Welt würde auch mit Biden fortgesetzt werden. Auch er dürfte Europa und Deutschland mehr abverlangen, vor allem, was die Wahrung der Sicherheitsinteressen angeht.

Also nicht Positives?

BEYER Doch. Ich glaube, dass wir von Biden, aber auch von Sanders wieder mehr Multilateralismus erleben würden. Damit meine ich ein konstruktiveres Einbringen in die UN oder in den Reformprozess der WTO. Das wäre schon eine starke Veränderung. Und zwar eine aus unserer Sicht positive.

Hätte Biden denn eine Chance gegen Trump?

BEYER Im Moment ist das schwierig zu sagen. Die Corona-Krise könnte für Trump noch gefährlich werden. Denn er lebt im Wesentlichen von den wirtschaftlichen Daten. Wenn die Wallstreet sich gegen ihn wendet, dann könnte es eng werden für ihn. Trump hat auch nur ein historisch gutes Standing in den eigenen Reihen. Insgesamt sind die USA gespalten hinsichtlich seiner Präsidentschaft. Wahrscheinlich sind aber vier weitere Jahre Trump.

Mit einem Präsidenten, der dann noch unberechenbarer wird?

BEYER Auf Unberechenbarkeit in den internationalen Beziehungen kann man sich nicht wirklich einstellen. Außer, dass man weiß, sie ist da. Gerade die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen dürften noch schwieriger werden und in stärkeren Auseinandersetzungen münden. Die Strafzölle auf Autos beispielsweise stehen ja immer noch als Drohung im Raum. Die Europäer müssen sich dann auf Hässliches einstellen. Deswegen müssen wir im intensiven Dialog bleiben.