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Arabischer Machtkampf am Horn von Afrika. Somalia wird zur Bühne einer bitteren Rivalität verfeindeter Golf-Staaten.

Somalia wird zur Bühne bitterer Rivalität : Arabischer Machtkampf am Horn von Afrika

Somalia wird zur Bühne einer bitteren Rivalität verfeindeter Golf-Staaten. Das kleine Emirat Katar liegt mit seinen Nachbarn über Kreuz.

Die ferngezündete Bombe explodierte vor einem Gerichtsgebäude und verletzte zehn Menschen, darunter Wachleute und einen Richter. Viel Aufmerksamkeit erregte die Gewalttat in der somalischen Hafenstadt Bosaso im Mai zunächst nicht – Anschläge islamistischer Extremisten gehören in Somalia zum traurigen Alltag. Doch jetzt taucht der Vorwurf auf, die Bombe sei Teil eines Machtkampfes zwischen zwei reichen arabischen Staaten gewesen, die am Horn von Afrika ihren Einfluss ausbauen wollen. Die Rivalität könnte die ganze Region destabilisieren.

Das kleine Emirat Katar liegt seit mehr als zwei Jahren mit seinen Nachbarn über Kreuz. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Bahrain und Ägypten werfen den Kataris eine zu große Nähe zum Iran und die Unterstützung islamistischer Extremisten vor. Katar und die VAE sind reich und ehrgeizig genug, um jenseits der eigenen Grenzen aktiv zu werden. Sie mischen etwa im libyschen Bürgerkrieg mit, wo sie rivalisierende Gruppen unterstützen. In Somalia soll dieser Konkurrenzkampf mit der Bombe von Bosaso erstmals in eine direkte Konfrontation umgeschlagen sein.

Wie die „New York Times“ unter Berufung auf ein abgehörtes Telefonat berichtet, könnte der Bombenanschlag von Bosaso von Vertretern Katars organisiert worden sein. „Unsere Freunde stecken hinter dem Anschlag“, sagte der katarische Geschäftsmann Khalifa Kayed al-Muhanadi demnach am Telefon zum Botschafter Katars in Somalia, Hassan bin Hamza Haschem. Ziel sei es gewesen, VAE-Unternehmen zugunsten der Kataris aus Bosaso zu verjagen, sagte Geschäftsmann Muhanadi dem Botschafter. Es geht um viel Geld. Eine Firma aus den VAE betreibt den Hafen von Bosaso und hat mehr als 300 Millionen Dollar für den geplanten Ausbau der Hafenanlage in der somalischen Region Puntland versprochen. In der weiter westlich gelegenen Küstenstadt Berbera hatte ein anderes VAE-Unternehmen mehr als 400 Millionen Dollar für den Hafenausbau in Aussicht gestellt.

Muhanadi sagte in dem abgehörten Telefonat, er arbeite daran, diese Art von Projekten mit Hilfe seiner Verbindungen zur somalischen Regierung den Kataris zukommen zu lassen. Das Gespräch wurde laut „New York Times“ etwa eine Woche nach dem Anschlag von Bosaso geführt. Ob die Kataris islamistische Extremisten mit dem Anschlag beauftragten oder die ohnehin bereits geplante Gewalttat unterstützt haben sollen, blieb unklar.

Die „New York Times“ erhielt den Telefonmitschnitt nach eigenen Angaben von einem Geheimdienst eines Katar-kritischen Landes. Geschäftsmann Muhanadi sagte der Zeitung, er habe mit dem Botschafter nur als Privatmann gesprochen, nicht im Auftrag der Regierung. Die Botschaft von Katar in Somalia wies eine Beteiligung des Emirats an dem Anschlag zurück.

Die geostrategisch günstige Lage von Somalia am Horn von Afrika hat auch die Türkei auf das Land aufmerksam werden lassen. Die Türkei und Katar sind Partner, die auch im Libyen-Konflikt gemeinsam vorgehen und den VAE und den Saudis damit Konkurrenz machen. Ankara unterhält in der somalischen Hauptstadt Mogadischu den größten türkischen Militärstützpunkt außerhalb des Landes. Eine türkische Firma übernahm den Hafen von Mogadischu. Katar versprach der somalischen Regierung 385 Millionen Dollar für den Ausbau von Infrastruktur und Bildungseinrichtungen. Der Kampf um Geld und Einfluss heize die Konfrontation zwischen Katar und den Rivalen des Emirats am Golf weiter an, sagt Gerald Feierstein, ein ehemaliger US-Botschafter in der Region, der heute für das Nahost-Institut in Washington arbeitet. Gegenüber unserer Zeitung sprach Feierstein von einer „verstörenden neuen Entwicklung“.