Alte Aufnahmen: Rasissmus-Vorwürfe gegen Kanadas Premier Trudeau

Wegen Kostümierung : Aladdin-Kostüm bringt Kanadas Premier in Bedrängnis

Kurz vor der Wahl gibt es gegen Justin Trudeau wegen alter Aufnahmen Rassismus-Vorwürfe. Die Opposition übt scharfe Kritik.

Rund einen Monat vor der Parlamentswahl in Kanada bringen Bilder aus der Vergangenheit Kanadas Regierungschef Justin Trudeau in Bedrängnis. Nach einem Foto gelangte am Donnerstag ein Video an die Öffentlichkeit, das Trudeau in einer von Kritikern als rassistisch wahrgenommenen Verkleidung zeigt.

Zunächst hatte das Magazin Time ein Bild von 2001 veröffentlicht, das Trudeau auf einem Kostümball mit dem Titel „Arabische Nächte“ mit einem dunkel geschminkten Gesicht, einem Gewand und einem Turban zeigt. Kurz darauf veröffentlichte ein kanadischer TV-Sender ein Video, das den heute 47-jährigen Premierminister als Teenager tanzend und Grimassen schneidend mit dunkel geschminktem Gesicht zeigt. Das Video stamme von Quellen aus der konservativen Partei, teilte der Sender Global News mit. Trudeaus liberale Partei habe bestätigt, dass die Aufnahmen den heutigen Premierminister zeigten.

Am Mittwoch hatte Trudeau vor Reportern zudem einen Fall aus seiner High-School-Zeit eingeräumt: Damals habe er bei einem Talentwettbewerb in Verkleidung den jamaikanischen „Banana Boat Song“ („Day O“) aufgeführt. Dabei sei er dunkel geschminkt gewesen. Damit sind inzwischen drei Fälle bekannt. Auf die Frage von Reportern, wie oft er sich in der Vergangenheit so geschminkt habe, konnte sich der Premier am Donnerstag nicht festlegen.

Trudeau reagierte nach dem Auftauchen des Fotos umgehend und entschuldigte sich. „Ich habe mir ein Aladdin-Kostüm angezogen und Make-up aufgetragen“, sagte er bei einer eilig angesetzten Pressekonferenz an Bord eines Flugzeuges. „Ich hätte das nicht tun sollen. Ich hätte es besser wissen sollen, aber das habe ich nicht. Es tut mir wirklich leid.“ Er fügte hinzu: „Es war etwas, von dem ich damals nicht dachte, dass es rassistisch wäre, aber jetzt erkenne ich, dass es etwas Rassistisches war.“ Er werde weiter daran arbeiten, Intoleranz und Diskriminierung zu bekämpfen, auch wenn er in der Vergangenheit offensichtlich einen Fehler gemacht habe.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme vor fast 20 Jahren war Trudeau 29 Jahre alt. Das Bild war laut Time-Magazin im Jahrbuch einer Privatschule in Vancouver veröffentlicht worden, in der Trudeau damals gelehrt hatte. Kanadische Medien haben inzwischen auch ein Foto seines High-School-Auftritts veröffentlicht. Auch dessen Echtheit hatte die Liberale Partei dem Sender Global News bestätigt.

Nachdem auch noch das Video an die Öffentlichkeit gelangte, sagte der Premier, er habe damals nicht verstanden, wie beleidigend sein Verhalten für Minderheiten sei. „Was ich getan habe, hat sie verletzt. Es hat Menschen verletzt, die weder Intoleranz noch Diskriminierung wegen ihrer Identität ertragen sollten“, betonte Trudeau.

In Kanada wird am 21. Oktober gewählt. Der Wahlkampf läuft seit gut einer Woche. Umfragen zufolge liegen Trudeaus Liberale und die Konservativen seines schärfsten Konkurrenten Andrew Scheer trotz boomender Wirtschaft und niedriger Arbeitslosenquote eng beieinander, letzte Umfragen hatten Trudeau aber leicht im Aufwind gezeigt. Scheer warf Trudeau – im Wahlkampf-Modus – sodann einen „offenen Akt von Rassismus“ vor.

Das Image Trudeaus hatte bereits in den vergangenen Monaten angesichts eines Skandals um Ermittlungen gegen die kanadische Firma SNC-Lavalin gelitten. Dieser wurde vorgeworfen, Schmiergeld für Geschäfte in Libyen gezahlt zu haben. Premier Trudeau wird vorgeworfen, er habe Ermittlungen seiner damaligen Justizministerin gegen das Unternehmen unterdrücken wollen. Mitte August kam eine Ethik-Kommission zu dem Schluss, Trudeau habe sich falsch verhalten.

Wie sich die Affäre um das dunkel geschminkte Gesicht des Premierministers auf den Wahlkampf der Liberalen auswirkt, bleibt abzuwarten. Trudeau war mit dem Versprechen besonderer Offenheit und Toleranz als Premier angetreten.Viele Kanadier mit Migrationshintergrund aus Nahost oder Südasien gehören zu den Stammwählern der Partei, gerade rund um Toronto.

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