Ätiopischer Ministerpräsident Abiy Ahmed erhält Friedensnobelpreis

Ätiopischer Ministerpräsident Abiy Ahmed ausgezeichnet : Ein Friedensnobelpreis für Afrika

Das norwegische Nobelkomitee hat den diesjährigen Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed vor der Bekanntgabe der Auszeichnung nicht erreicht. Deshalb musste sich die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, am Freitag ihre Gratulation bis zur Verkündung des Preisträgers in Oslo aufheben.

„Wenn er mir jetzt zuschaut, möchte ich ihm meine herzlichsten Glückwünsche übermitteln“, sagte sie an die Adresse des äthiopischen Ministerpräsidenten. Der 43-Jährige wird für seinen Einsatz für Frieden und internationale Zusammenarbeit und vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem äthiopischen Nachbarland Eritrea ausgezeichnet, wie das Komitee weiter bekanntgab. „Das ist ein Preis, der Afrika verliehen wird, der Äthiopien verliehen wird“, sagte Abiy in einer ersten Stellungnahme. In seiner Heimat wurde gejubelt.

Abiy setzte sich damit gegen 300 weitere Nominierte durch, darunter 222 Persönlichkeiten und 78 Organisationen. Viele Friedensforscher und Wettbüros hatten Abiy neben der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg zu den diesjährigen Favoriten gezählt.

Die Friedensbemühungen von Abiy erfüllten laut Nobelkomitee alle Vorgaben aus dem Testament von Preisstifter Alfred Nobel. „Wir betrachten dies als den entscheidendsten Beitrag zum Frieden während des vergangenen Jahres“, sagte die Vorsitzende Berit Reiss-Andersen nach der Bekanntgabe. Ob die Fortschritte Bestand haben werden, müsse sich erst noch zeigen. Vor dem Geehrten liege noch eine Menge Arbeit. Der Preis solle ihn aber auch dabei bestärken, seinen Weg in die von ihm gewählte Richtung fortzusetzen, sagte Reiss-Andersen. Auch im Inland müsse er viele verschiedene Bevölkerungsgruppen einen. „Es ist noch ein langer Weg.“

Der 43 Jahre alte Abiy gilt am Horn von Afrika als Reformer. Er ist seit April 2018 äthiopischer Ministerpräsident, nach Amtsantritt krempelte er sein Land nach Jahren der repressiven Regierungsführung mit Initiativen und Reformen um. Er startete einen Friedensprozess mit Eritrea, setzte sich aber auch im Sudan für einen politischen Wandel ein und vermittelte im Konflikt zwischen Kenia und Somalia.

Der bislang größte Erfolg des jungen Politikers ist jedoch der Friedensschluss mit Eritrea. Dass Äthiopien und Eritrea nach langer Zeit zu einem Friedensabkommen gekommen seien, sei eine der großen Errungenschaften des Jahres 2018 gewesen, sagte der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith. „Das hatte sehr mit der Energie zu tun, die Abiy Ahmed dem Prozess gegeben hat, sobald er Ministerpräsident geworden ist.“ Unerwartet komme die Auszeichnung für Abiy damit nicht. „Das ist ein ziemlich klassischer Friedenspreis“, sagte Smith.

Für Abiy ist der Nobelpreis nach Angaben seines Büros ein Ansporn für die Fortsetzung seiner Friedensarbeit. „Wir laden alle Äthiopier und Freunde Äthiopiens ein, sich weiter auf die Seite des Friedens zu stellen“, hieß es in einer über Twitter verbreiteten Erklärung. Abiy selbst sagte in einem Telefonat mit dem Sekretär des norwegischen Nobelkomitees, er sei glücklich und begeistert.