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Ägyptens gestürzter Langzeitherrscher Husni Mubarak ist tot

Im Westen gefeierter Despot wurde 2011 aus Amt gejagt : Ägyptens gestürzter Langzeitherrscher Husni Mubarak ist tot

Fast drei Jahrzehnte regierte er das Land mit eiserner Faust – bis der Despot 2011 aus dem Amt gejagt wurde. Im Westen galt er dagegen als Stabilitätsanker.

In einer Reihe mit Pharaonen und Sultanen wollte Hosni Mubarak in die Geschichtsbücher eingehen. Doch die Welt dürfte Ägyptens Ex-Präsidenten anders in Erinnerung behalten: als gestürzten Despoten, bettlägerig in einem Käfig vor Gericht. Auch wenn Justizurteile wegen Bereicherung und Menschenrechtsverletzungen milde ausfielen und er nur wenige Jahre in Haft saß – seine letzte Lebensphase, gedemütigt und von seinem Volk verachtet, dürfte für den Greis eine Strafe gewesen sein. Für die Ägypter war der 2011 verjagte Diktator längst eine politische Mumie. Doch ihr Fluch lastet weiter auf Ägypten. Am Dienstag starb der Ex-Diktator mit 91 Jahren.

Maximal sechs Jahre Zeit solle ein Präsident für Reformen bekommen, sagte Mubarak im Januar 1982 dem Spiegel, drei Monate nach Amtsantritt. Daraus wurden drei Jahrzehnte Autokratie. Für den Machterhalt war dem „Rais“ und seiner Staatspartei NDP kein Wahlbetrug zu dreist. Seine Bilanz: Armut, Polizeiwillkür, Folter, Korruption, gesellschaftliche Islamisierung und Arbeitslosigkeit. Sie lähmen das Land bis heute.

Allerdings war der Ex-Präsident bei allen persönlichen Fehlern auch ein Getriebener seiner eigenen Machtbasis, gibt Andreas Jacobs zu bedenken, langjähriger Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Kairo. „Mubarak war nur das Gesicht für ein ganzes System, hinter dem weiter die Armee steht. Sie ist der eigentliche Diktator Ägyptens.“ Wie seine Vorgänger Nasser und Sadat stammte auch Mubarak aus dem Offizierskorps. Ihm verdankte der 1928 in einem kleinen Dorf im Nildelta geborene Mubarak seinen Aufstieg vom Jetpiloten zum Vizepräsidenten, und nach Sadats Ermordung durch islamistische Terroristen 1981 an die Spitze des Staates.

Die Armee wollte nach dem Krieg gegen Israel 1973 versorgt sein. Sie hat Ägyptens Wirtschaft gekidnappt, und Mubarak ließ die Generäle gewähren, wenn sie Unternehmen und Grundbesitz an sich rafften. Dass Mubarak und sein Clan sich selbst prächtig die Taschen füllten, war immer bekannt. Das verästelte System seiner Kleptokratie von Schweizer Konten bis zu weltweitem Immobilienbesitz lässt keine genaue Vermögensschätzung zu – sie gehen von zwei bis 70 Milliarden Euro.

Die zweite Krake in Mubaraks Staat, die Geheimpolizei, konnte auch deshalb so brutal walten, weil der “Rais“ den Ausnahmezustand nach dem Sadat-Attentat immer wieder verlängerte. Während seine Folterknechte den islamistischen Terror gegen das Regime niederhielten, förderte Mubarak zugleich die Islamisierung der Gesellschaft. Damit hoffte er der oppositionellen Muslimbruderschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Präsident selbst fiel nicht durch Frömmigkeit auf.

Im Westen galt der Dauerpotentat als Stabilitätsgarant, der den Frieden mit Israel einhielt und den Terrorismus bekämpfte. Aus den USA flossen Milliarden für die Rüstung; auch die Bundesrepublik stützte die Diktatur am Nil mit Entwicklungshilfe. „Die westlichen Regierungen hätten deutlicher auf die Menschenrechte pochen müssen“, urteilt Jacobs.

Am Ende übernahmen das die Ägypter während des Arabischen Frühlings selbst. Die Revolution von 2011 feierte einen kurzen Triumph – von Gnaden der Generäle. Der Hass auf den Präsidenten war zur Bedrohung für den Machtanspruch der Militärs geworden. Fast über Nacht ließen sie Mubarak fallen. Doch es fiel nur eine Gallionsfigur. An der Brutalität des Regimes hat das so wenig geändert wie an der ökonomischen Perspektivlosigkeit der Ägypter.