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„Achse des Widerstandes“ macht im Nahost-Konflikt gegen Israel mobil

Nahost-Konflikt : „Achse des Widerstandes“ macht mobil

Die Gefechte zwischen Israelis und der Palästinensergruppe Hamas in Gaza schüren Furcht vor einem neuen Nahost-Krieg.

Die Gefechte zwischen Israel und der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas schüren die Furcht vor einem neuen Krieg im Nahen Osten, denn die Spannungen wachsen auch außerhalb von Jerusalem und dem Gaza-Streifen: An der Grenze zum Libanon im Norden Israels wehrten israelische Truppen am Wochenende mit Gummigeschossen und Tränengas mehrere Hundert Demonstranten ab, die über die Grenzmauer klettern wollten. Am Freitag hatten israelische Soldaten einen Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz erschossen. Auch er wollte über die Grenze nach Israel.

Ein neuer Krieg in Nahost würde voraussichtlich die „Achse des Widerstandes“ auf den Plan rufen. So nennt der Iran sein Bündnis mit Syrien, der Hamas und der Hisbollah gegen Israel. Die Hamas bekämpft Israel von Gaza aus – die anderen Mitglieder der „Achse“ könnten den jüdischen Staat von Norden und von Osten aus unter Druck setzen. Der Hamas-Raketenbeschuss der vergangenen Tage bereitet der israelischen Armee mehr Schwierigkeiten als erwartet.

Die Hisbollah, die wie die Hamas vom Westen als Terrorgruppe eingestuft wird, hat viel Erfahrung mit Kriegen gegen Israel. Die in den 1980er Jahren vom Iran gegründete Schiiten-Miliz hat mit Unterstützung aus Teheran eine gut ausgebildete Streitmacht und ein großes Waffenarsenal aufgebaut und kann auf einen der seltenen militärischen Erfolge der Araber gegen Israel verweisen: Im Jahr 2000 vertrieben die schiitischen Kämpfer die israelische Armee aus dem Süden Libanons. Der bisher letzte Krieg zwischen beiden Seiten im Jahr 2006 endete, ohne dass Israel die Militärmacht der Hisbollah zerstören konnte.

Heute verfügt die Hisbollah über mehr als 20 000 Kämpfer. Wie die Hamas verlässt sich die schiitische Miliz zudem auf Raketen, deren Zahl auf mehrere Zehntausend geschätzt wird. Einige haben eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern und können große Teile des israelischen Staatsgebietes erreichen, darunter Jerusalem und Tel Aviv. Auch der Iran hat viele Raketen, mit denen er Israel treffen könnte. Politiker und Generäle der Islamischen Republik beschwören immer wieder ihr Ziel, den jüdischen Staat von der Landkarte zu tilgen.

Im Südwesten Syriens haben die Iraner in der Nähe der Grenze zu Israel mehrere Tausend Kämpfer zusammengezogen. Zudem bemühen sich die Iraner und pro-iranische Gruppen aus dem Irak und Afghanistan um den Aufbau einer militärischen Infrastruktur, um Raketen für den Einsatz gegen Israel herstellen zu können. Eine lokale Produktion wäre für den Iran effizienter als Raketen-Transporte über Land oder per Luft, die von Israels Luftwaffe abgefangen werden können.

Doch die „Achse des Widerstandes“ weiß, wie riskant ein Angriff auf Israel wäre. Der jüdische Staat hat die modernsten Streitkräfte des ganzen Nahen Ostens und seine Überlegenheit im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte schon häufig bewiesen. Auch verhandelt der Iran derzeit mit den USA und seit kurzem auch mit dem regionalen Rivalen Saudi-Arabien. Ein Krieg gegen Israel würde diese politischen Fortschritte zunichte machen. Direkte Angriffe des Iran auf Israel würden zudem die USA auf den Plan rufen – ein solcher Konflikt könnte für das Regime in Teheran leicht zum Selbstmordkommando werden.

In Syrien versucht Israel seit Monaten mit Luftangriffen und Raketenbeschuss, die Aufrüstung der iranischen Gruppen dort zu erschweren. Die israelische Armee schoss nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als 500 Raketen auf Ziele in Syrien ab. Die schwache syrische Luftabwehr ist gegen die Angriffe machtlos – und die syrische Schutzmacht Russland unternimmt nichts dagegen. Moskau hat ein Interesse an funktionierenden Beziehungen zu Israel, doch an einer Machterweiterung des Iran in der Region liegt dem Kreml nichts.

Auch die kampferprobte Hisbollah im Libanon ist den Verbündeten von der Hamas bisher nicht mit Raketenangriffen auf Nordisrael zur Hilfe geeilt. Demonstranten in Beirut riefen Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah in den vergangenen Tagen auf, in Israel einzugreifen. Doch das ist für Nasrallah schwieriger, als es auf den ersten Blick aussieht.

Mit einem Krieg gegen Israel würde die Hisbollah nicht nur eine Niederlage riskieren, sie würde auch große Zerstörungen im Libanon provozieren. Mitten in einer schweren Wirtschaftskrise und einer Welle sozialer Unruhen würden sich Nasrallah und die Hisbollah damit die Schuld an einer zusätzlichen Katastrophe für den libanesischen Staat aufladen, analysierte die libanesische Zeitung L’Orient-Le Jour. Selbst für die Israel-Hasser in der „Achse des Widerstandes“ wäre ein neuer Krieg ein unkalkulierbares Risiko.