Aus für Luckes „Weckruf“

Berlin · Nach dem Bundesparteitag der AfD wird feststehen, wer sich durchgesetzt hat – Parteichef Bernd Lucke oder seine Co-Chefin Frauke Petry. Doch vorher wird noch einmal verbal aufgerüstet. Der Dritte der Führungsetage, Konrad Adam, bringt jetzt einen weiteren Namen für den AfD-Vorsitz ins Spiel.

Selten hat sich das Führungspersonal einer Partei öffentlich so beharkt wie die Funktionäre der rechtskonservativen Alternative für Deutschland . Kurz vor dem Parteitag geht es noch einmal richtig rund. Etappensiegerin ist diesmal Frauke Petry. Für einen klaren Sieg nach Punkten reicht es allerdings immer noch nicht.

Was genau ist geschehen? Im Mai hatte Parteigründer Bernd Lucke einen Verein namens "Weckruf 2015" gegründet. Der Verein sollte - auch wenn das damals niemand offen sagte - ein Sammelbecken für alle Parteimitglieder werden, die sich von den rechten Parolen einiger Kreis- und Landesvorstände abgestoßen fühlen. Außerdem wollten die "Weckrufler" über den Verein Mehrheiten für ihre Positionen organisieren. Und das ging vor allem gegen Petry. Denn die Sächsin hat überhaupt keine Lust mehr auf die Rolle der Nummer Zwei, die ihr Boss Lucke zugewiesen hat.

Petry ist hartnäckig und gibt so schnell im parteiinternen Machtpoker nicht auf. Zwar lief sie mit ihrem Versuch gegen die Wand, die Mitglieder des "Weckruf" - Vereins über entsprechende Beschlüsse der Landesverbände aus der Partei zu drängen. Doch jetzt hat das Bundesschiedsgericht den "Weckruf" als "Vereinigung" eingestuft, die es laut Parteisatzung der AfD so gar nicht geben dürfte, und Petry fühlt sich in ihrer Kritik an Lucke als quasi Alleinherrscher bestätigt.

Auch Konrad Adam, der im AfD-Führungstrio neben Petry und Lucke der Dritte im Bunde ist, freut sich über das Urteil von Parteirichter Germut Bielitz. "Lucke steht jetzt mit abgesägten Hosen da, und das geschieht ihm recht", sagt er. Er, Adam, habe zwar wegen Luckes großen Verdiensten im ersten Jahr nach der Parteigründung zunächst Hemmungen gehabt, sich öffentlich von ihm loszusagen. Inzwischen habe er aber den Eindruck gewonnen, "er will nicht stabilisieren, er will zerstören".

Für Adam, der auf dem Parteitag in Essen als Stellvertreter oder Beisitzer kandidieren will, ist das aber noch kein Grund, um mit wehenden Fahnen in Petrys Lager überzulaufen. Er sagt: "Ich setze auf Alexander Gauland." Der Brandenburger AfD-Vorsitzende bringe als ehemaliger Staatssekretär schließlich viel politische Erfahrung mit und könne mit seiner ruhigen Art verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Denn der konservative Publizist glaubt, dass die AfD keine Zukunft mehr hat, wenn es ihr nicht gelingt, in Essen eine wie auch immer geartete Einigung zustande zu bringen. Er sagt unmissverständlich: "Wir haben nur noch einen Schuss, und wenn der daneben geht, dann sieht es schlecht aus."

Und was macht Lucke? Er und seine Mitstreiter sind auf jeden Fall weit davon entfernt, sich geschlagen zu geben. Zunächst einmal zweifeln sie die Rechtmäßigkeit des Urteils des Schiedsgerichts an, das im Eilverfahren von einem einzelnen Richter gefällt wurde. Ihr Argument: Der "Weckruf" sei gar keine "Vereinigung" im Sinne der AfD-Satzung, sondern ein "Verein". Daher sei es dem Bundesvorstand gar nicht möglich, den "Weckruf" aufzulösen, wie vom Schiedsgericht eigentlich gefordert.

"Gerade sind wir Zeuge der nächsten Posse im Spiel "wie verhindere ich vergeblich den Erfolg des Weckrufs" geworden", schreibt die Vorsitzende des "Weckrufs", Ulrike Trebesius, wenige Stunden nach dem Schiedsgerichturteil an die rund 4000 Mitglieder des Vereins. Und "die Hunde bellen, aber die Karawane zieht weiter."

Der Parteitag in Essen dürfte auf jeden Fall spannend werden. Zahlreiche Vorschläge für Satzungsänderungen sind schon in Vorbereitung.

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