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Auch Köhler blickt gespannt nach Bayern

Auch Köhler blickt gespannt nach Bayern

Berlin. "Hier ist Herzblut dabei." Als sich Horst Köhler (Foto: dpa) bei seiner jüngsten Asien-Reise in Almaty von den Kasachen verabschiedet, ist er voller Begeisterung über seine Gespräche. Auch bei den Treffen mit der jeweiligen Staatsspitze der Mongolei und Chinas ist der Bundespräsident mit großem Engagement dabei. Er blickt in seinem Reformeifer weit in die Zukunft

Berlin. "Hier ist Herzblut dabei." Als sich Horst Köhler (Foto: dpa) bei seiner jüngsten Asien-Reise in Almaty von den Kasachen verabschiedet, ist er voller Begeisterung über seine Gespräche. Auch bei den Treffen mit der jeweiligen Staatsspitze der Mongolei und Chinas ist der Bundespräsident mit großem Engagement dabei. Er blickt in seinem Reformeifer weit in die Zukunft.

Nichts lässt bei Köhler erkennen, dass in wenigen Tagen eine wichtige Vorentscheidung über sein Verbleiben im Amt fällt. Die Landtagswahl in Bayern entscheidet auch über die Zusammensetzung der nächsten Bundesversammlung, die am 23. Mai 2009 den Bundespräsidenten wählt. Die schwarz-gelbe Mehrheit, die Köhler 2004 ins Amt brachte, steht auf der Kippe.

Sollte die CSU nicht deutlich über die 50-Prozent-Hürde kommen und die FDP oder die Freien Wähler die Verluste mit dem Einzug in den Landtag nicht kompensieren, wäre die Mehrheit dahin. Köhlers SPD-Gegenkandidatin Gesine Schwan hätte dann gute Chancen. Köhler, der nach wie vor in Umfragen höchste Beliebtheitswerte bekommt, wirkt allerdings nicht so, als ob er sich auf Abruf sieht. Schon gar nicht denkt er offen über Schwans "Kampfkandidatur" nach. Das Thema ist in seiner Umgebung tabu. "Das treibt ihn nach seiner Entscheidung für eine erneute Kandidatur auch nicht mehr um", sagen Leute, die viel mit ihm unterwegs sind. Allenfalls mit seiner Frau tauscht er sich darüber aus. "Wahlkampf", hatte er bei der Ankündigung seiner zweiten Kandidatur gesagt, "werde ich nicht machen". Und dabei ist er geblieben. So lässt er sich auch nicht davon irritieren, dass Gesine Schwan ausgerechnet an dem Wochenende, an dem er in Asien unterwegs ist, gegen ihn via Interview stichelt. "Ich will nicht den Graben vertiefen zwischen der Gesellschaft und der Politik, sondern Handlungszwänge der Politik verständlich und durchsichtig machen. Das ist dringend geboten, damit Menschen nicht mehr sagen: Politiker sind entweder unmoralische oder idiotische Menschen", so Schwan.

Die Botschaft ist klar: Ich will die Politikverdrossenheit in der Gesellschaft abbauen helfen, die Köhler mit seiner betonten Distanz zur politischen Klasse in Berlin verstärkt. Präsidentenkenner sehen dahinter ein Kalkül der SPD-Kandidatin: sich bei Zweiflern in der Bundesversammlung als die "bequemere" Kandidatin anzudienen. 2004 war Schwan nicht nur von SPD, Grünen und Linken gewählt worden. Sie hatte auch aus den Reihen der Wahlmänner und -Frauen der Union mehrere Stimmen erhalten. Darauf spekuliert die Kandidatin auch diesmal wieder, zumal sich Köhler während seiner Amtszeit immer wieder auch mit der Union angelegt hat. Viel für den Ausgang der Präsidentenwahl wird davon abhängen, wie die neue SPD-Spitze die Schwan-Kandidatur angeht.