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Athen bittet EU um Hilfe

Athen bittet EU um Hilfe

Fast alle Flüchtlinge, die in diesen Tagen nach Europa kommen, stranden in Griechenland. Die Regierung sieht sich dem Ansturm nicht gewachsen und fordert Hilfe von der Europäischen Union.

Zur Versorgung der Flüchtlinge nach der Schließung der Balkanroute will Griechenland fast eine halbe Milliarde Euro Nothilfe von der EU. "Wir können die Last durch alle hier ankommenden Flüchtlinge nicht tragen", so begründete eine Regierungssprecherin gestern einen Antrag auf 480 Millionen Euro . Nach UN-Angaben sind seit Jahresbeginn schon 130 000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen - fast alle landeten in Griechenland.

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras warf Österreich vor, durch die Einführung einer Obergrenze für die Abriegelung der Balkanroute verantwortlich zu sein. Kanzler Werner Faymann habe aus "politischer Panik" reagiert, sagte Tsipras dem Sender Star TV. Wegen der schlechten Umfragewerte vor anstehenden Wahlen mache Faymann "spastische Bewegungen".

Nachdem die mazedonische Polizei am Montag Tränengas gegen Flüchtlinge eingesetzt hatte, zeigte sich die EU-Kommission gestern "sehr besorgt". "Das ist nicht unsere Vorstellung davon, wie die Krise gemanagt werden sollte", sagte eine Sprecherin. Internationale Rechtsstandards müssten eingehalten werden. Als Reaktion auf die Eskalation schnürte die EU-Kommission ein Nothilfe-Paket, das heute präsentiert wird. Einem Medienbericht zufolge soll es 700 Millionen Euro für drei Jahre umfassen. Griechenland soll bei der Bereitstellung von Flüchtlingsunterkünften, Sachleistungen und finanzieller Hilfe für die Flüchtlinge unterstützt werden. Aber "wir brauchen eine dauerhafte Lösung, indem Flüchtlinge in andere EU-Länder umgesiedelt werden", sagte die griechische Regierungssprecherin.

Die Menschen drängen sich um die Hilfslieferungen, die per Lkw an die Grenze kommen. Binnen Minuten sind alle Lebensmittel vergriffen, egal ob Konserven oder Milchpulver. Den Flüchtlingen fehlt es an allem. Angesichts der immer dramatischeren Lage pocht der griechische Regierungschef Alexis Tsipras auf die zugesagte Verteilung von Flüchtlingen in ganz Europa. Sollte dies nicht endlich umgesetzt werden, drohte er die Beschlüsse des EU-Türkei-Gipfels am kommenden Montag in Brüssel zu blockieren.

Tsipras kritisierte die Grenzblockade Mazedoniens: "Diese Alleingänge sind inakzeptabel. Die Flüchtlingskrise kann nicht ein Land allein bewältigen", sagte er in einem Interview des ZDF-Magazins "Frontal 21". "Wenn wir es nicht schaffen, eine gemeinsame Lösung zu finden, dann wird das nicht nur ein Problem für Griechenland, es wird unsere gemeinsame Zukunft in Europa gefährden."

Mazedoniens Außenminister Nikola Poposki verteidigte die Grenzschließung. Mit dem Grenzzaun werde "die Flut von illegalen Migranten" gestoppt. "Es handelt sich dabei überwiegend um Wirtschaftsmigranten und nicht um Kriegsflüchtlinge", sagte Poposki.

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HintergrundTrotz des Widerstandes der Bewohner haben die Behörden die Teilräumung des Flüchtlingslagers in Calais fortgesetzt. Bauarbeiter rissen gestern mit Hilfe zweier Bulldozer von den Flüchtlingen errichtete Hütten ab. Nach den Zusammenstößen vom Vortag war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz, Zwischenfälle gab es nicht. afp