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Anschläge überschatten Parlamentswahl im Irak

Anschläge überschatten Parlamentswahl im Irak

Bagdad. Die Parlamentswahl im Irak ist gestern von Terroranschlägen begleitet worden. Aufständische feuerten Raketen und Mörsergranaten unter anderem auf Wahllokale. Augenzeugen und lokale Medien berichteten von insgesamt 38 Toten. Rund 80 Iraker wurden landesweit verletzt. Ungeachtet der Gewalt lag die Wahlbeteiligung nach ersten Schätzungen zwischen 50 und 65 Prozent

Bagdad. Die Parlamentswahl im Irak ist gestern von Terroranschlägen begleitet worden. Aufständische feuerten Raketen und Mörsergranaten unter anderem auf Wahllokale. Augenzeugen und lokale Medien berichteten von insgesamt 38 Toten. Rund 80 Iraker wurden landesweit verletzt. Ungeachtet der Gewalt lag die Wahlbeteiligung nach ersten Schätzungen zwischen 50 und 65 Prozent. Die Attacken konzentrierten sich auf den Großraum Bagdad und die Provinz Ninive. Im kurdischen Norden und im schiitischen Süden des Landes verlief die Abstimmung dagegen friedlich. Es war die zweite Parlamentswahl seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein durch eine US-geführte Invasion im Frühjahr 2003. Die gesamten Sicherheitskräfte des Landes - rund eine halbe Million Mann - waren im Einsatz, um die Wahl zu sichern. Erste Abstimmungsergebnisse werden in einer Woche erwartet. dpa

Unsichere Hoffnung

Von SZ-MitarbeiterFriedemann Diederichs Niemand durfte realistisch erwarten, dass die Parlamentswahlen im Irak ohne Terrorakte verlaufen würden. Dass es dennoch offenbar eine hohe Wahlbeteiligung gab, spricht für den Wunsch der meisten Iraker, ihr Land möge zur Ruhe kommen. Doch diese Hoffnung steht auf einem unsicheren Fundament, weil die politische Führung wichtige Weichenstellungen versäumt hat. So gibt es weiter keine Regelung zur Aufteilung des gewaltigen Ölvorkommens zwischen den konkurrierenden Volksgruppen und Regionen. Auch sind die politischen Aussichten nach den Wahlen nicht ermutigend. Gibt es wie erwartet keinen klaren Sieger, dürfte der Streit um Wahlfälschungen lähmend wirken und neue Gewaltakte provozieren.