Alice Schwarzers "Frauenturm" wankt

Alice Schwarzers "Frauenturm" wankt

Düsseldorf. Es läuft nicht gut für Alice Schwarzer. Die bekannteste deutsche Feministin sieht sich abserviert mit ihrem FrauenMediaTurm (FMT), einem Archiv der Frauenbewegung, das in einem mittelalterlichen Turm am Kölner Rheinufer residiert

Düsseldorf. Es läuft nicht gut für Alice Schwarzer. Die bekannteste deutsche Feministin sieht sich abserviert mit ihrem FrauenMediaTurm (FMT), einem Archiv der Frauenbewegung, das in einem mittelalterlichen Turm am Kölner Rheinufer residiert. Die "tödliche" Kürzung der öffentlichen Mittel auf nur noch 70 000 Euro für dieses Jahr hat ausgerechnet die rot-grüne "Frauenregierung" in Nordrhein-Westfalen von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) beschlossen. Aber sie brauche mindestens 250 000 Euro im Jahr, rechnet Alice Schwarzer gestern in Düsseldorf vor.Als sie erstmals von den Kürzungen erfuhr, sei sie fassungslos gewesen, sagt die 69-Jährige: "Ich habe gedacht, das ist ein Irrtum. Es kann nicht sein, dass die dieses Projekt kaputtmachen." Dabei halten viele auch 70 000 Euro noch für ein Privileg. Praktisch kein Frauenarchiv in Nordrhein-Westfalen hat je einen Zuschuss gesehen. "Insgesamt hat der FrauenMediaTurm seit 2008 rund 800 000 Euro aus dem Landeshaushalt erhalten", betont die Regierung - für ein Archiv, in das man nicht einfach so hineinspazieren kann.

Die Bibliothek darf nur nach Voranmeldung und gegen eine Gebühr von fünf Euro genutzt werden. Wie viele Besucher kommen? "Mehrere hundert im Jahr", sagt Schwarzer.

Für die Kölner Publizistin ist der Fall ein schwerer Schlag. Von den männlichen Regierungschefs in Düsseldorf sah sie sich über Jahre hinweg unterstützt.

Nun beißt sie bei Geschlechtsgenossinnen auf Granit. Frauenhäuser und die berufliche Förderung von Frauen sollen vorgehen. Die Ministerinnen Barbara Steffens (Emanzipation/Grüne), Svenja Schulze (Wissenschaft/SPD) und Ute Schäfer (Kultur/SPD) bleiben bei der deutlichen Verkleinerung des Fördertopfs von einst 210 000 Euro (2008). "Trotz aller Wertschätzung für die großen Verdienste von Alice Schwarzer".

Für die Feministin platzt der Ärger in eine Zeit, in der es ohnehin nicht rund läuft. Ihre feministische Zeitschrift "Emma" schreibt seit über 30 Jahren gegen die Unterdrückung von Frauen an und ist ein anspruchsvolles Blatt. Aber die Leserinnen ziehen nicht mit. Erst erschien "Emma" monatlich, seit 1993 sechsmal, seit 2010 nur noch viermal im Jahr. Seit einigen Jahren zieht sie auch Kritik von Journalisten-Kollegen auf sich. Manche Feministinnen sehen Schwarzer nicht mehr als Frontfigur der Frauenbewegung.

Dass sie im Kölner Turm "Emma"-Redaktion, Archiv und Büro unter einem Dach vereint, wirft zumindest Fragen auf. Ihr Büro sei nur sechs Quadratmeter klein, betont Schwarzer. "Emma" zahle die Hälfte des gesamten Pachtzinses. Über die Verwendung der Archiv-Fördermittel werde "auf Euro und Cent genau" Rechenschaft abgelegt. Auch das dürfte die Regierung nicht zu höheren Überweisungen veranlassen. Dennoch setzt Schwarzer auf das Prinzip Hoffnung: "Wir haben noch keinen Plan B."Foto: Hartmann/dapd

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