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Afghanistan soll weiter geholfen werden

Afghanistan soll weiter geholfen werden

Den Haag. "Versagen wäre Verrat am afghanischen Volk", hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon gestern als Richtung in Den Haag vorgegeben

Den Haag. "Versagen wäre Verrat am afghanischen Volk", hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon gestern als Richtung in Den Haag vorgegeben. Doch was dann folgte, war mehr als nur eine bloße "Afghanistan-Konferenz": Vertreter von fast 100 Staaten schafften den Auftakt, um die Mission am Hindukusch "ganz neu zu beleben", wie es US-Chefunterhändler Richard Holbrooke ausdrückte. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD, Foto: ddp) jubelte fast: "Endlich sind wir auf dem Weg zu einer gemeinsamen Strategie, die gemeinsame Erfolge gewährleistet." Was in Den Haag stattfand, war das Ergebnis eines Umdenkens, das keineswegs nur die USA erfasst hat. Zunächst räumte Washingtons Außenministerin Hillary Clinton ein, dass die fast sieben Milliarden Dollar, die man bislang nach Afghanistan für zivile Zwecke gepumpt hatte, "versickert" seien. "Die Hilfsprogramme funktionieren nicht, wir haben mit Problemen wie Korruption zu tun." Inzwischen leben 8,5 Millionen Afghanen unter bedrohlichen Umständen, eine Million Kinder und eine halbe Million Frauen leiden unter Unterernährung. Das Umdenken erfasste aber auch die Nachbarn des krisengeschüttelten Landes. Russlands Präsident Dmitri Medwedew signalisierte in einem Beitrag für die "Washington Post", er sei entschlossen, alle weltpolitischen Probleme zusammen mit den USA zu "lösen". In puncto Afghanistan heißt das: Moskau wäre bereit, vor allem Nachschubrouten und Überflugrechte einzuräumen. Und sogar Teheran, in Den Haag mit Vize-Außenminister Mohammed Mehdi Achundsadeh hochrangig vertreten, sucht überraschenderweise seinen Platz in der neuen politischen "Koalition der Willigen": Den aus Afghanistan über die Grenze schwappenden Drogenhandel will man ebenso stoppen wie den Terror der sunnitisch-fundamentalistischen Taliban, die die schiitischen Mullahs fürchten. Dass Teheran mit der Bundeswehr bereits Geheimverhandlungen über Zufahrtswege zu den deutschen Feldlagern in Afghanistan führt, passt da ins Bild. Bleibt noch das Problem Pakistan, dessen neue Regierung sich in Den Haag bemühte, seinen Ruf als Rückzugsraum für die Terroristen loszuwerden. Getoppt wurde das Aufbrechen lange gepflegter Feindschaften allerdings vom polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski. Ausgerechnet der Mann, der bisher keine Gelegenheit ausließ, die Führung Moskaus zu attackieren, schlug gestern vor, Russland in die Nato aufzunehmen. Meinung

Den Haag zeigt den Weg

Von SZ-Korrespondent Detlef Drewes Es ist etwas in Bewegung gekommen. Sieben Jahre hat die internationale Gemeinschaft nach dem Sturz der Taliban gebraucht, um zu begreifen, dass man mit Waffen vielleicht ein Land von Terroristen befreien, aber nicht aufbauen kann. Und dass dies keineswegs nur ein Thema für die USA oder die Nato-Mitgliedstaaten ist, sondern die gesamte Region angeht. Afghanistan ist zur Bedrohung für alle geworden - als Hort des Terrorismus, als Produktionsstätte für Drogen, als Schauplatz einer großen humanitären Katastrophe. Vielleicht war Den Haag noch nicht der Ort, um die konkreten Einzelschritte zu vereinbaren. Aber die müssen nun folgen. Zumindest ist viel passiert, weil Erzgegner sich einander geöffnet haben. Es wird jetzt Zeit, endlich über alle ideologischen Grenzen und politischen Gegensätze hinweg etwas für die Menschen am Hindukusch zu tun.