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Abschied von Hans Ley: „Wir werden ihn nicht vergessen“

Abschied von Hans Ley: „Wir werden ihn nicht vergessen“

15 Jahre lang war Hans Ley Präsident des Saar-Landtages. Gestern nahm das Saarland Abschied von ihm. Führende Politiker würdigten ihn als standfesten Demokraten, der über Landesgrenzen hinaus gewirkt habe.

 Nicole sang im Gedenken an Hans Ley ihr Lied „Kein Abschied ist für immer“.
Nicole sang im Gedenken an Hans Ley ihr Lied „Kein Abschied ist für immer“.
 Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine erwiesen Ley die letzte Ehre.
Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine erwiesen Ley die letzte Ehre.
 Betroffenheit auch bei Hessens Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU), Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.
Betroffenheit auch bei Hessens Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU), Ex-Bundespräsident Christian Wulff und Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Am Ende verneigt sich Nicole stumm für zehn Sekunden vor dem Schwarz-Weiß-Foto von Hans Ley rechts des Altars. Gerade hat sie ihr Lied "Kein Abschied ist für immer" gesungen, zum Abschluss des Staatsakts in der Saarbrücker Ludwigskirche, mit dem das Saarland gestern den verstorbenen Landtagspräsidenten Hans Ley würdigte. "Es gibt ein Wiedersehen. Irgendwann. Irgendwo", sagt Nicole, die wie Hans Ley aus dem Kreis St. Wendel kommt und mit ihm befreundet war. Manch einer zückt ein Taschentuch, aber nicht um sich in der schwülwarmen Luft den Schweiß abzuwischen. Viele kämpfen in diesem Moment mit den Tränen.

Hunderte Vertreter aus Politik und Gesellschaft sind gekommen. Auch der frühere Bundespräsident Christian Wulff , der Ley seit den gemeinsamen Zeiten in der Jungen Union eng verbunden war. "Hans Ley wird bereits jetzt vermisst", sagt Wulff. "Als Ratgeber, Ermutiger, Kümmerer." Ley sei "weit über die Grenzen des Saarlandes und weit über die Grenzen seiner Partei hinaus" geachtet worden. Von allen politischen Lagern habe er Anerkennung erfahren. "Seiner Aufgabe ging er mit Nächstenliebe, Akribie und Freude nach, seine Warmherzigkeit und Lebensfreude hat uns reich beschenkt", sagt Wulff. Und: "Ich verneige mich vor seinem Lebenswerk. Wir werden ihn nicht vergessen."

Die Trauer ist fast mit Händen zu greifen. Gesenkte Köpfe, rote Augen. Nicht einmal ein Tuscheln ist zu hören. Viele Freunde und Weggefährten aus Leys Heimatstadt St. Wendel sind da. In der Basilika war tags zuvor das Sterbeamt unter großer Anteilnahme der Bevölkerung.

Vertreter aller Fraktionen im saarländischen Landtag sind in der Ludwigskirche, ebenso die Minister der Landesregierung. Aus Berlin sind Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU ) und Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD ) angereist. Auch die Ex-Minsterpräsidenten Oskar Lafontaine (Linke), Reinhard Klimmt (SPD ) und Peter Müller (CDU ) sind da.

Müllers Nachfolgerin im Amt, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ), würdigt Ley als "herausragenden Repräsentanten unseres Landes". Den privaten und öffentlichen Menschen könne man eigentlich gar nicht trennen, sagt Kramp-Karrenbauer. Anerkennung und Freundschaft seien ihm über das Land hinaus zuteilgeworden. Sichtbares Zeichen dafür sei, dass unsere französischen Freunde an diesem Tag die Trikolore am Generalkonsulat zu Ehren Leys auf halbmast gesetzt hätten. Er war "durch und durch glaubwürdig und authentisch" und habe seine Kraft aus dem christlichen Glauben bezogen. Dem christlichen Menschenbild habe er sich immer verpflichtet gefühlt. Auch seiner Heimat war er tief verbunden, daraus habe er nie einen Hehl gemacht. Im Gegenteil.

Ley war seit 1985 Mitglied des Landtags, seit 1999 Landtagspräsident. Mehrfach wurde er wiedergewählt - "immer einstimmig", wie Kramp-Karrenbauer betont. Als "hoch geachteten Kollegen" habe er Ley kennengelernt, sagt Norbert Kartmann (CDU ), Präsident des hessischen Landtags und Vorsitzender der deutschen Landtagspräsidenten-Konferenz. Kartmann erinnert an die "Geradlinigkeit und die klare Orientierung", die Ley an andere weitergegeben habe. Sein Amt habe er so ausgeübt, "wie man es besser nicht machen kann: Gräben vermeiden, Brücken bauen". Auch abseits davon habe ihn sein großes soziales Gespür zu einem "Kümmerer" gemacht. "Seine Meinungen, sein Rat und seine Mahnungen werden uns fehlen." "Er war das Gesicht des Landtags", sagt Kramp-Karrenbauer. Die "letzte Ehre" solle man ihm nicht nur mit einem Staatsakt erweisen, sondern indem man seine Überzeugungen "als Richtschnur für unsere weitere Arbeit" nehme. "Dann wird er bei uns bleiben. Dann wird er lebendig bleiben." Viele tun es vor dem Verlassen der Kirche Nicole gleich. Sie verharren stumm vor dem Antlitz Leys und verbeugen sich. Kaum vorzustellen, dass er nie wieder eine Landtagssitzung leiten wird.