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Abfuhr für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Abfuhr für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Berlin. Schlechte Nachrichten für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch: Die Bundesregierung bleibt hart und lehnt eine Rückkehr zur vollen Kostenübernahme einer künstlichen Befruchtung durch die gesetzlichen Krankenkassen ab. Die Bundesländer hatten dies gefordert

Berlin. Schlechte Nachrichten für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch: Die Bundesregierung bleibt hart und lehnt eine Rückkehr zur vollen Kostenübernahme einer künstlichen Befruchtung durch die gesetzlichen Krankenkassen ab. Die Bundesländer hatten dies gefordert. Schon vor längerer Zeit hatte der Bundesrat auf Initiative des Saarlands, Sachsens und Thüringens die Regierung dazu aufgefordert, die seit 2004 geltenden Regelungen im Sinne von ungewollt kinderlosen Paaren zurückzunehmen. Jetzt gab es seitens der schwarz-gelben Koalition die Abfuhr: In einer Stellungnahme zu dem Vorstoß heißt es, die Wiedereinführung sei "derzeit nicht geplant". Künstliche Befruchtung sei eine versicherungsfremde Leistung. Die "Anspruchseinschränkung" damals habe dazu gedient, die Ausgaben in diesem Bereich nicht "ausufern zu lassen." Immerhin sei es bei der Maßnahme um ein Einsparvolumen von rund 100 Millionen Euro gegangen. Der Vorschlag der Regierung: Es bleibe den Ländern unbenommen, die künstliche Befruchtung selbst zu fördern.

Angesichts der desolaten Länderhaushalte ist dies jedoch kaum vorstellbar. Ein unerfüllter Kinderwunsch liegt laut Experten bei etwa 25 bis 30 Prozent aller Paare vor. Mit dem Start der rot-grünen Gesundheitsreform im Jahr 2004 waren die Regelungen zur künstlichen Befruchtung aus Spargründen stark eingeschränkt worden. Seither übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nur noch 50 Prozent der Kosten für maximal drei Versuche, die anderen 50 Prozent müssen die Paare bezahlen. Ab dem vierten Versuch gibt es keinen Zuschuss mehr - immerhin kann eine künstliche Befruchtung 2000 Euro und mehr kosten. Zudem wurde eine Altersbeschränkung eingeführt: Nur Frauen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren sowie Männer im Alter zwischen 25 und 50 Jahren haben derzeit Anspruch auf eine anteilige Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Die Folge der Regelungen: Die durch künstliche Befruchtung herbeigeführten Geburten sanken um die Hälfte.

Das Saarland als einer der Initiatoren zeigte gestern Verständnis für die Entscheidung: Vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung "hat das Thema momentan keine Priorität", sagte Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) der SZ. Er wolle aber einen erneuten Vorstoß 2011 prüfen. Das sächsische Gesundheitsministerium als weiterer Urheber der Initiative bedauerte das Nein des Bundes. Der Freistaat fördert seit 2009 Paare mit Kinderwunsch durch einen Zuschuss zum Kosten-Eigenanteil bei einer künstlichen Befruchtung. has