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58 Verhaftungen in einer Nacht

58 Verhaftungen in einer Nacht

Die belgische Polizei fahndet mit Hochdruck nach zwei flüchtigen Männern, die während einer Hausdurchsuchung am Dienstag in Brüssel sehr wahrscheinlich auf Polizisten geschossen haben.

"Das hätte auch leicht in einem Drama enden können", zeigte sich Belgiens Premier Charles Michel nach der Razzia mit einem Toten vom Dienstagabend gestern erleichtert. Und auch die Brüsseler Staatsanwaltschaft betonte, die Anti-Terror-Spezialisten hätten "Glück" gehabt. "Auf einer der schusssicheren Westen wurden mehrere Spuren von Kugelsplittern gefunden", sagte ein Sprecher. Doch das sind schon die einzigen positiven Nachrichten.

Denn immer lauter wurden am Tag danach andere Fragen: Wie konnte es passieren, dass das Fahnder-Team aus vier belgischen und zwei französischen Beamten nicht auf eine leerstehende Wohnung traf, sondern sofort beschossen wurden? Und wieso gelang zwei Männern eine filmreife Flucht? Überzeugende Antworten konnten die Sicherheitsbehörden und der Premier nicht geben, obwohl die angesetzte Pressekonferenz mehrfach verschoben wurde. Fest steht demnach nur, dass die Wohnung keineswegs leer war. Hinweise auf die Vorbereitung konkreter Anschläge aber fanden die Ermittler nicht: Neben einer Kalaschnikow und Munition fielen ihnen lediglich ein salafistisches Buch sowie eine Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat in die Hände. Bei dem von einem Scharfschützen getöteten Mann handelt es sich offenbar um den 1980 geborenen Algerier mit dem Namen Mohamed Belkaid, der illegal in Belgien lebte und mehrfach wegen Diebstahls aufgefallen war. Eine Terror-Vergangenheit hat er nicht.

Doch die überraschende Nacht war noch längst nicht zu Ende. Neben den zwei Flüchtigen, die "dringend gesucht" werden, tauchten am frühen Mittwochmorgen plötzlich zwei Männer in einem Brüsseler Krankenhaus auf, um sich ihre Schussverletzungen behandeln zu lassen. Als die Polizei anrückte, konnte auch hier einer fliehen. Ob es Zusammenhänge gibt oder man gar in dem kleinen Ort Forest auf eine Terrorzelle gestoßen war, blieb unklar. Wie vieles andere dieser Nacht zum Mittwoch auch. Denn erst gestern wurde bekannt, dass weitere Anti-Terror-Spezialisten mehrere Wohnungen durchsucht hatten und dabei sage und schreibe 58 Verdächtige vorläufig festgenommen hatten.

Zum Thema:

HintergrundWegen möglicher Anschlagspläne sind im Großraum Paris vier mutmaßliche Islamisten festgenommen worden. Die drei Männer und eine Frau seien gestern Morgen gefasst worden, verlautete aus Polizeikreisen. Sie seien zuvor wegen eines "möglichen Anschlagsprojekts" überwacht worden. Von einem "unmittelbar bevorstehenden Anschlagsprojekt" könne allerdings noch nicht gesprochen werden. So wurde bei den Razzien keine Waffe gefunden. Es wurden aber mehrere Datenträger beschlagnahmt. afp