115 - eine Nummer für (fast) alle Fragen

Berlin. Eine zentrale Telefonnummer für alle Fragen - das soll die einheitliche Behördennummer 115 bieten. Nach einer zweijährigen Pilotphase ging das Projekt gestern in den Regelbetrieb

 In Berlin wurde die 115 getestet. Die Zahl der zufriedenen Bürger sei sehr hoch, sagt Innensenator Ehrhart Körting. Foto: dpa

In Berlin wurde die 115 getestet. Die Zahl der zufriedenen Bürger sei sehr hoch, sagt Innensenator Ehrhart Körting. Foto: dpa

Berlin. Eine zentrale Telefonnummer für alle Fragen - das soll die einheitliche Behördennummer 115 bieten. Nach einer zweijährigen Pilotphase ging das Projekt gestern in den Regelbetrieb. Bislang können rund 15,3 Millionen Bürger in sieben Bundesländern ihre Fragen unter der Nummer loswerden - egal, ob es um die Abmeldung eines Autos, einen neuen Personalausweis oder die Lohnsteuerkarte geht. Bis 2013 wird angestrebt, das Angebot auf ganz Deutschland auszuweiten, teilte das Bundesinnenministerium mit. Die Länder und Kommunen entscheiden aber selbst, ob sie sich an dem Projekt beteiligen möchten - eine Verpflichtung gibt es nicht.Die Anrufe kosten den Bürger zwischen sieben und 29 Cent pro Minute. Mit dem Regelbetrieb sollen die Tarife aber sinken. Nach den Worten des Parlamentarischen Staatssekretärs im Innenministerium, Ole Schröder (CDU), werden bislang 75 Prozent der Anrufe innerhalb von 30 Sekunden entgegengenommen. 65 Prozent werden gleich beim ersten Anruf beantwortet. Ist der Service-Mitarbeiter aber ratlos, soll der Bürger innerhalb von 24 Stunden eine Antwort erhalten - per Fax, Mail oder Telefon. Neben sieben Bundesländern beteiligen sich bislang rund 40 Kommunen und die Bundesverwaltung an dem Projekt - zum Beispiel mit den Bundesministerien und dem Statistischen Bundesamt.

Innen-Staatssekretär Schröder sagte, die Nummer 115 könne auch ein wichtiges Instrument sein, um Bürger bei Katastrophen zu informieren. Er verwies auf das Beispiel Schweinegrippe. "Wenn ich an die große Unsicherheit der Bevölkerung denke, die es gab im Zuge der notwendig gewordenen Impfungen, wäre es gut gewesen, wenn wir eine einheitliche 115-Service-Nummer bereits gehabt hätten", sagte er. Die Finanzierung des Regelbetriebes teilen sich Bund und Länder, jährlich fallen Gesamtkosten in Höhe von rund zwei Millionen Euro an. Die Kosten für den Probebetrieb - insgesamt acht Millionen Euro - trugen der Bund und das Land Hessen.

Wählt der Bürger 115, landet er immer im nächstgelegenen Service-Zentrum. Entscheiden sich Kommunen zur Teilnahme, müssen sie für den Aufbau eines entsprechenden Zentrums sorgen. Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes braucht es seine Zeit, bis sich die Kommunen mit dem Thema auseinandergesetzt haben. "Man kann auch zu dem Ergebnis kommen: Wir sehen darin keinen Mehrwert", sagte ein Sprecher des Gemeindebundes gestern mit Verweis darauf, dass viele Kommunen schon eigene Informationswege eingerichtet haben. Erreichbar ist die 115 von Montag bis Freitag zwischen acht und 18 Uhr. dpa

Hintergrund

 In Berlin wurde die 115 getestet. Die Zahl der zufriedenen Bürger sei sehr hoch, sagt Innensenator Ehrhart Körting. Foto: dpa

In Berlin wurde die 115 getestet. Die Zahl der zufriedenen Bürger sei sehr hoch, sagt Innensenator Ehrhart Körting. Foto: dpa

Im Saarland laufen die Vorbereitungen für die Einführung der neuen Behörden-Hotline 115 derzeit auf Hochtouren. Zunächst wird der Service für die Behörden des Landes und der Landeshauptstadt Saarbrücken zur Verfügung stehen. "Am 1. Juni ist es soweit", sagt Stadtpressesprecher Thomas Blug. Nach Angaben des Zweckverbandes Elektronische Verwaltung (eGo-Saar) sollen nach und nach weitere Städte und Gemeinden hinzukommen. Ziel ist, dass sich bis Ende 2012 möglichst alle Kommunen sowie die Landkreise und der Regionalverband beteiligen. Die Teilnahme kostet eine Kommune pro Jahr und Einwohner 42 Cent, weshalb sich der Rat der Gemeinde Schiffweiler bereits gegen den Service entschieden hat. Die Staatskanzlei rechnet mit jährlichen Kosten (ohne Personal) von rund 20 000 Euro. tho

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