Zwei Männer in U-Haft nach Tod der drei Schüler

Zwei Männer in U-Haft nach Tod der drei Schüler

Istanbul/Lübeck. Die türkische Justiz geht gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen für die tödlichen Alkohol-Vergiftungen bei der Klassenfahrt von Lübecker Realschülern vor. Zwei Verdächtige wurden gestern in Untersuchungshaft genommen, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. In Lübeck werden die Leichen zweier für hirntot erklärter Schüler obduziert

Istanbul/Lübeck. Die türkische Justiz geht gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen für die tödlichen Alkohol-Vergiftungen bei der Klassenfahrt von Lübecker Realschülern vor. Zwei Verdächtige wurden gestern in Untersuchungshaft genommen, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete. In Lübeck werden die Leichen zweier für hirntot erklärter Schüler obduziert.

Ende März waren die Lübecker Schüler nach einem Trinkgelage im "Anatolia Beach Hotel" im südtürkischen Ferienort Kemer ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein 21-jähriger starb noch im Hotelzimmer; er hatte nach Angaben der deutschen Staatsanwaltschaft eine tödliche Menge Methanol (siehe Hintergrund) im Blut. Nach einem "Spiegel"-Bericht soll der junge Mann 20 Stunden lang hilflos in seinem Hotelzimmer gelegen haben, bevor es entdeckt wurde. Zwei weitere Mitglieder der Schülergruppe starben nach ihrer Verlegung in die Bundesrepublik. Methanol kommt häufig in schwarz gebranntem Alkohol vor.

Nach dem tödlichen Zwischenfall ließ die Staatsanwaltschaft Kemer die Alkoholbestände des Hotels überprüfen. Insgesamt seien 37 Proben aus Flaschen mit alkoholischen Getränken genommen worden, meldete Anadolu.

Schnaps-Lieferant gesucht

In einer davon sei ein hoher Anteil Methanol festgestellt worden. Daraufhin erließ das zuständige Gericht Haftbefehle gegen den für Speisen und Getränke in dem Hotel verantwortlichen Manager und den Chefeinkäufer des "Anatolia Beach Hotels".

Drei weitere Hotelangestellte, bei dem es sich um Bedienungspersonal und einen Barmann handeln soll, gelten ebenfalls als Verdächtige, wurden nach einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung jedoch bis zum Beginn des Gerichtsverfahrens auf freien Fuß gesetzt. Nach einem Bericht der Zeitung "Milliyet" wird der Alkohol-Lieferant des Hotels mit Haftbefehl gesucht.

In Lübeck teilte die Staatsanwaltschaft unterdessen mit, bei Obduktionen solle geklärt werden, ob sich die am Wochenende gestorbenen 17 und 19 Jahre alten Lübecker Koma-Patienten wie ihr 21-jähriger in der Türkei gestorbener Mitschüler durch gepanschten Alkohol vergifteten. Bei den zwei Schülern war nach Angaben der Uni-Klinik Schleswig-Holstein am Samstag der Hirntod festgestellt worden. Die beiden Teenager hatten während einer Klassenfahrt nach Antalya mutmaßlich mit Methanol versetzten Alkohol getrunken und waren ins Koma gefallen. Am Donnerstag waren sie nach Lübeck ausgeflogen worden. afp/dpa

Hintergrund

Das geschmückte Grab des ersten Opfers gestern. Foto: dpa.

Methanol (CH4O) ist die einfachste chemische Verbindung aus der Reihe der Alkohole. Die farblose Flüssigkeit ist giftig, kann blind machen und ist nicht zu verwechseln mit Ethanol, dem trinkbaren Alkohol. Bereits wenige Milliliter Methanol können zu Vergiftungen führen. Privat gebrannte Schnäpse können den Stoff enthalten, wenn die Herstellung nicht fachgerecht erfolgte. Er wird auch als Lösungsmittel, Frostschutzmittel und Treibstoff verwendet. Die tödliche Dosis liegt zwischen 30 und 100 Millilitern. dpa