Zu viel königliche Lobhudelei

Zu viel königliche Lobhudelei

Der künftige niederländische König Willem-Alexander hat schon viele Vorschusslorbeeren erhalten. Eine kitschige Huldigungshymne zum Thronwechsel am 30. April ging den Untertanen aber doch zu weit.

Die Lobhudelei auf Hollands künftigen König schien kein Ende zu nehmen. Bestens sei Willem-Alexander vorbereitet auf seine Aufgabe, las man überall. Ein Supertyp. Sportler, Flieger, Vater, klug, liebevoll, tolerant, einfach klasse. Als jetzt auch noch eine schmalzige Huldigungshymne zum Thronwechsel am 30. April veröffentlicht wurde, platzte Tausenden Niederländern der Kragen. Über den Songschreiber John Ewbank ergoss sich im Internet ein Shitstorm, in dem es vor Gehässigkeiten bis hin zu Todesdrohungen strotzte.

In der Nacht zum Sonntag zog der Musiker, der 1996 die Hymne zur Eröffnung der Arena für den Fußballclub Ajax Amsterdam geschaffen hatte, das Königslied entnervt zurück. Angesichts einer Flut ätzender Beleidigungen, die zeitweise seinen Twitter-Account lahmgelegt hätten, sehe er keine andere Wahl, teilte der 44-jährige Sohn eines Engländers und einer Holländerin mit.

Peinlich ist der Rückzieher längst nicht allein für den künftigen Monarchen, der sich seit Tagen bemühte, gute Miene zum teils grotesk anmutenden Huldigungstaumel zu machen. Das eigens für den Thronwechsel gegründete Nationalkomitee äußerte Verständnis für Ewbanks Entscheidung, aber auch Enttäuschung: Anliegen des Königslieds sei es gewesen, Menschen zu verbrüdern und nicht, sie zu entzweien.

Doch genau das wurde mit der Kampagne für eine möglichst breite Beteiligung der Bevölkerung an der Schöpfung des hoheitsvollen Songs erreicht. Mehr als 3300 Menschen hatten Text-Ideen eingeschickt, die sich laut Vorgabe um typisch niederländische Werte, Symbole und Worte ranken sollten. Zum Beispiel Fahne, Löwe, Wasser und Wind, aber auch das traditionelle Kartoffelbreigericht Stamppot sollte vorkommen. Sicher sind Niederländer Patrioten. Aber der Liebeslied-Text für Oranje-King war für viele unerträglich: "Durch Regen und Wind werde ich bei dir bleiben, ich werde dich gegen alles beschützen, was kommt. Ich werde wachen, wenn du schläfst. Ich behüte dich vor dem Sturm. Ich bewahre dich in Sicherheit, solange ich lebe."

Kaum war das Werk erstmals im Radio zu hören, startete die Journalistin der linksliberalen "Volkskrant" eine Petition "Nein zum Königslied". Aus Protest erklärte sie: "Hiermit trete ich als niederländischer Untertan zurück." Aber selbst echten Royalisten ging die Hutschnur hoch. Da werde "gegeigt und gejault, als ob nicht der König, sondern ein jubilierender Steineklopfer besungen wird", schimpfte der Kolumnist Rob Hoogland in der königstreuen Zeitung "De Telegraaf". Der Song klinge im langsamen Teil "wie die Hintergrundmusik zu einer Dokumentation über die Pestepidemie in Amsterdam von 1663/1664", schrieb Hoogland. Und erst der Rap-Teil! Der erinnere "an das Aufwärmungsritual einer marokkanischen Jugendbande kurz vor dem Überfall auf Juweliergeschäft". Darüber lachte wohl mindestens die halbe Nation.