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Wulff durchkreuzt Karnevalspläne

Wulff durchkreuzt Karnevalspläne

Mainz. Ausgerechnet jetzt, ärgern sich die Karnevalisten: In Köln, Düsseldorf und Mainz laufen die Vorbereitungen für die Rosenmontagszüge am Rhein auf Hochtouren, in Mainz sind es nur noch wenige Stunden bis zum Fernseh-Klassiker "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Da verkündet Bundespräsident Christian Wulff seinen Rücktritt

Mainz. Ausgerechnet jetzt, ärgern sich die Karnevalisten: In Köln, Düsseldorf und Mainz laufen die Vorbereitungen für die Rosenmontagszüge am Rhein auf Hochtouren, in Mainz sind es nur noch wenige Stunden bis zum Fernseh-Klassiker "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht". Da verkündet Bundespräsident Christian Wulff seinen Rücktritt. Vorher hatte die Staatsanwaltschaft Hannover beim Bundestag beantragt, die Immunität des Staatsoberhaupts für ein mögliches Ermittlungsverfahren aufzuheben.Schon seit mehreren Monaten laufen die Planungen für den Höhepunkt der fünften Jahreszeit - und Wulff spielt in diesem Jahr eine Hauptrolle in den Kommentaren der rheinischen Narren. Zunächst war Wulff trotz zunehmender Vorwürfe im Amt geblieben. Der Präsident macht den Karnevalisten aber nun einen Strich durch das Drehbuch. Genug Zeit ist aber noch, also machen sich die Karnevalisten flugs an die Arbeit. Einige sind jedoch etwas sauer über den Zeitplan und bedauern, dass Wulff sich so wenig nach ihnen gerichtet hat.

"Ich finde es eine Sauerei, dass er das heute macht", spricht Jürgen Dietz frei heraus. Er ist besser bekannt als der Bote vom Bundestag in der traditionellen TV-Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" - in diesem Jahr vom ZDF ausgestrahlt. Dort ist er in einen Frack gehüllt und gibt rhetorische Blüten von sich. Er hat seinen Text noch rechtzeitig vor der Live-Sendung am Freitagabend geändert - und fügt einen nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag frisch hinzu: "Geh' in die Politik oder werde korrupt oder beides."

Ein alter Bekannter der Fastnachtssendung ist auch "Guddi" Gutenberg alias Sitzungspräsident Hans-Peter Betz. "Ich habe so schöne Sprüche über den Wulff, die kann ich jetzt alle den Hasen geben", sagt er der "Rhein-Zeitung". Der Karnevalist des (Mainz-)Gonsenheimer Carneval-Vereins "Schnorreswackler" ergänzt bissig: "Wenn der Präsident einen Arsch in der Hose gehabt hätte, wäre er schon vor Weihnachten zurückgetreten." In der Generalprobe am Mittwoch erklärte er, was der Präsident und eine Gans gemeinsam hätten: "Beide haben gehofft, wenn Weihnachten 'rum ist, hätten Sie das Schlimmste überstanden."

Ein bisschen mehr Vorlauf hätten sich wohl auch die Wagenbauer gewünscht. In Mainz sind die Motivwagen erst am vergangenen Dienstag präsentiert worden. Nun muss der Wagenbauer des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Dieter Wenger, wie seine Kollegen in Köln nochmal ran an das gute Stück: "Über das Wochenende wird er umgebaut", sagt Wenger über den Wagen mit Wulff. Er zeigt den Niedersachsen als verprügelten Boxer. Ein blaues Auge reicht aber nun nicht mehr: Jetzt ist Wulff nicht nur angeschlagen, sondern gänzlich "K.o.". Auch an den Augen wird gefeilt: Wulffs Figur schielt jetzt gen Himmel, während er seine Augen bisher gerade nach oben gerichtet hatte. Der Wulff-Wagen sei schon so gebaut worden, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, verriet Wenger: "Er (Wulff) hängt schon angeschlagen in den Seilen."

Der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly sagte, er habe sich seinen Wulff-Wagen sowieso bis zuletzt aufgespart. Das Motiv werde "superaktuell" ausfallen, versicherte er.