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Wie niest man eigentlich richtig?

Wie niest man eigentlich richtig?

Münster/Bielefeld. Es ist verzwickt: Wer in die Hand niest, wenn es in der Nase kitzelt, wird beim nächsten Händeschütteln als Bazillenherd verteufelt. Wer auf diesen Nieser dann "Gesundheit!" wünscht, erntet aber auch nur Naserümpfen. Bei Erkältungen die richtige Etikette zu wahren und das Gegenüber vor dem gleichen Schnupfen-Schicksal zu bewahren, will gelernt sein

Münster/Bielefeld. Es ist verzwickt: Wer in die Hand niest, wenn es in der Nase kitzelt, wird beim nächsten Händeschütteln als Bazillenherd verteufelt. Wer auf diesen Nieser dann "Gesundheit!" wünscht, erntet aber auch nur Naserümpfen. Bei Erkältungen die richtige Etikette zu wahren und das Gegenüber vor dem gleichen Schnupfen-Schicksal zu bewahren, will gelernt sein. Aber Obacht! Was vor wenigen Jahren noch als höflich galt, ist heute schon tabu. Denn über die Zeit haben sich viele Benimmregeln geändert."Auch wenn es vor allem Älteren fremd vorkommen mag: Wir empfehlen, als Notlösung in die Armbeuge zu niesen, wenn so schnell kein Taschentuch zur Hand ist", erklärt Inge Wolff vom "Arbeitskreis Umgangsformen" in Bielefeld. Das freie Gremium gibt seit mehr als 50 Jahren Empfehlungen zum guten Benehmen heraus. Zum Beispiel zum anständigen Niesen. Die Empfehlung, in die linke Hand zu prusten, ist spätestens seit der Schweinegrippe hinfällig. Das hat nicht nur Höflichkeits-, sondern vor allem Hygiene-Gründe, sagt Inge Wolff.

Keine Begrüßungsküsschen

Das sieht Alexander Mellmann, Arzt am Institut für Hygiene der Uniklinik Münster, ähnlich: "Die Erkältungsviren sind schnell übertragen, wenn ich jemandem die Hand gebe und mir danach zum Beispiel ins Gesicht fasse." An Türklinken können die Keime sogar Tage überleben. Mellmanns Rat an Schniefnasen: "Einmal-Taschentücher verwenden und zur Begrüßung keine Küsschen verteilen." Ein verweigerter Handschlag als Ausdruck von Höflichkeit sei aber noch nicht in vielen Köpfen verankert, sagt Inge Wolff. "Damit er nicht missverstanden wird, ist es gut, ihn mit einem erklärenden Satz zu begleiten." Ein höflicher Kranker verzichtet auch auf bestimmte Freizeittermine, etwa Saunagänge oder Tanzstunden. "Gerade in der Anfangsphase der Erkältung sollte man vielleicht nicht auf Geburtstagspartys gehen", rät Hygiene-Mediziner Mellmann.

Solcherlei Erkältungs-Etikette werde mittlerweile schon den ganz Kleinen im Kindergarten beigebracht, berichtet Anstandsexpertin Wolff. So lernen sie zum Beispiel auch, dass der ehemals höfliche Wunsch "Gesundheit!" nicht mehr in jeder Situation angebracht ist. "Wir empfehlen, das zumindest in großer Runde wegzulassen, und auch in anderen Gesprächen zu überlegen, ob es sinnvoll ist", sagt Wolff.

Höflichkeit ist relativ

Der Grund: Viele Menschen fühlten sich beim Niesen ohnehin als Störenfriede. Wie andere unfreiwillige Körpergeräusche könne man das Niesen einfach überhören. "Wenn der Magen grummelt, wünscht man ja auch kein angenehmes Hungergefühl", vergleicht Wolff. Auch einem Husten folge kein gutgemeinter Wunsch. "Höflich ist immer das, was ein Mensch als höflich empfindet." Wer seinen Mitmenschen also weiterhin "Gesundheit!" wünschen will, darf das bei allem Anstand tun.