1. Nachrichten
  2. Panorama

Nach Schuldspruch: Wie lange muss Weinstein hinter Gitter?

Nach Schuldspruch : Wie lange muss Weinstein hinter Gitter?

Der frühere Hollywood-Mogul ist bereits wegen zweier Sexualverbrechen verurteilt. Nun verkündet das Gericht das Strafmaß.

Jahrzehntelang drehte sich Harvey Weinsteins Leben vor allem um die Produktion von Kinofilmen. Doch nun besteht das Umfeld des früheren Hollywood-Moguls aus Anwälten, Sprechern, Krisenmanagern – und seit neuestem auch aus einem eigenen „Gefängnis-Berater“. Ende Februar sprach eine Jury den 67-Jährigen wegen Sexualverbrechen schuldig, an diesem Mittwoch soll das Strafmaß bekannt gegeben werden. Weinstein drohen bis zu 29 Jahre Haft.

Die Staatsanwaltschaft forderte Richter James Burke im Vorfeld noch einmal zu einer harten Strafe auf. Weinstein habe jahrzehntelang Frauen missbraucht und zeige bislang keine Reue. Die Liste seiner Vergehen verdeutliche „ein Leben voller Missbrauch anderer Menschen, sexuellem und sonstigem“, sagte Hauptanklägerin Joan Illuzzi. Weinsteins Verteidigung hatte bereits angekündigt, in Revision gehen zu wollen.

In dem aufsehenerregenden Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi zum Oralsex gezwungen und die heutige Friseurin Jessica Mann 2013 vergewaltigt haben. Die zwölf Geschworenen der Jury befanden Weinstein der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung für schuldig. Nicht schuldig sei er in den beiden schwersten Anklagepunkten des „raubtierhaften sexuellen Angriffs“ sowie einer noch schwereren Vergewaltigung.

Insgesamt werfen mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die Anschuldigungen gegen den Produzenten, im Herbst 2017 von der New York Times und dem Magazin New Yorker veröffentlicht, waren der Anfang der MeToo-Bewegung. Überall auf der Welt erkannten viele Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer wieder – sie begannen, diese Geschichten unter dem Schlagwort „Me too“ („Ich auch“) zu sammeln. Die Bewegung feierte das Urteil gegen Weinstein als Meilenstein – kritisierte aber auch, dass der frühere Filmproduzent nicht in allen Anklagepunkten für schuldig befunden worden war.

Mit dem Strafmaß und einer möglichen Revision sind die juristischen Kämpfe für Weinstein noch lange nicht vorbei. In Los Angeles wurde er ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt. Auch dort könnte es zum Prozess kommen. Davon abgesehen verhandeln seine Anwälte weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit weiteren Klägerinnen über Entschädigungen.

Ein längerer Gefängnisaufenthalt ist Weinstein so gut wie sicher, weswegen der Ex-Produzent Craig Roth­feld anheuerte, der nach einem eigenen Gefängnisaufenthalt eine außergewöhnliche Beratungsfirma gegründet hat. „Wenn du weggesperrt wirst, dann ist das fast, als würdest du im Bermuda-Dreieck verschwinden“, sagte Rothfeld der New York Times. Er habe sich mit Weinstein und Mitgliedern seiner Familie getroffen. Gleich im Anschluss an die Urteilsverkündung half er dem gesundheitlich angeschlagenen Weinstein dabei, nicht sofort in das berüchtigte New Yorker Gefängnis Rikers Island eingeliefert zu werden, sondern zunächst einmal in ein Krankenhaus.

Zudem bereitete er den Straftäter darauf vor, was ihn nach der Verkündung der Dauer der Haft erwartet. Wie jeder andere Verurteilte in New York soll Weinstein zunächst in eine Einrichtung in Fishkill etwa 100 Kilometer nördlich der Millionenmetropole gebracht werden. Dort wird entschieden, in welches Gefängnis er kommt. Gefängnis-Berater Rothfeld will bis zuletzt daran arbeiten, die Verantwortlichen zu überzeugen, Weinstein in ein Gefängnis mit speziellen medizinischen Vorkehrungen zu bringen, wo er besser geschützt werden könne. Zudem wolle der Produzent in eine Einrichtung, die nah an New York City liege oder in der viele Inhaftierte jüdisch seien, sagte Rothfeld. Als Gefängnis-Berater sei er „Therapeut, Rabbi, Priester, Eheberater und großer Bruder“.

(dpa)