Wie im alten Rom

Carnuntum. Sie sind jung, braungebrannt, tragen einen Lendenschurz und haben Holzschwerter in der Hand. Ein bisschen verrückt sind die 20 Studenten der Universität Regensburg, die sich gerade in der altrömischen Stadt Carnuntum bei Wien zu Gladiatoren ausbilden lassen, wohl auch. Doch bei dem Projekt geht es um harte wissenschaftliche Fakten - eine Wiederbelebung der Antike

Carnuntum. Sie sind jung, braungebrannt, tragen einen Lendenschurz und haben Holzschwerter in der Hand. Ein bisschen verrückt sind die 20 Studenten der Universität Regensburg, die sich gerade in der altrömischen Stadt Carnuntum bei Wien zu Gladiatoren ausbilden lassen, wohl auch. Doch bei dem Projekt geht es um harte wissenschaftliche Fakten - eine Wiederbelebung der Antike.

Die Jungs aus Bayern sind Teil eines Experiments: "Kann man aus einem Menschen der Neuzeit einen Gladiator der Antike machen?" Um dem auf die Spur zu kommen, nehmen die 20- bis 30-Jährigen, die in den Fakultäten Archäologie, Alte Geschichte, Latein und Sportwissenschaft eingeschrieben sind, so einiges auf sich: Sie schlafen in einem originalgetreuen Riesenzelt auf Stroh, waschen sich mit Kernseife, tragen die "Subligaculum" genannte römische Unterhose und essen - wie einst die Gladiatoren - hauptsächlich Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse.

In der Antike dauerte die Ausbildung der todgeweihten Muskelmänner vier bis fünf Jahre. Die Deutschen trainieren erst seit März, zunächst fünfmal die Woche jeweils eine Stunde in Regensburg und nun insgesamt zwei Wochen lang ganztägig in Österreich. "Gegen die Originale sind wir ja nur wie eine Kindergartentruppe", sagt Student David Vogelbacher (22) lachend.

Obwohl der Tagesablauf vom "Exercitium fortis" (Krafttraining) morgens um sechs bis zum "Ignis" (Lagerfeuer) abends um neun streng durchgeplant ist, fühlt sich David "fast wie im Urlaub". Nur eine mehrere Zentimeter lange Narbe an seiner Stirn zeugt davon, dass es nachmittags doch mit echter Kampfeslust zur Sache geht. Dann treten die Männer in Original-Outfit und echten - wenn auch stumpfen - Waffen gegeneinander an. "Wenn die Klingen scharf wären, dann wären wir alle schon mehrmals tot gewesen", sagt der Student.

Um das zu verhindern, ist Christian Eckert stets zur Stelle, der bei Frankfurt eine Kampfsportschule betreibt und auf Aikido, Boxen und historisches Fechten spezialisiert ist. "Als wir vor fünf Monaten begonnen haben, waren die Jungs teilweise unvorstellbar unfit", erinnert er sich. "Jetzt kann jeder das Training durchhalten."

Schwerter aus dem Saarland

Die Schilder haben die Hochschüler selbst gebaut, die Helme wurden von der Uni Augsburg hergestellt und die Schwerter und Lanzen stammen von einem Schmied im Saarland. Furchteinflößendsehen die Bayern aus. "Die Gladiatoren wurden damals total gefeiert, das war wie heute bei 'Deutschland sucht den Superstar'", sagt Josef Löffl vom Lehrstuhl für Alte Geschichte in Regensburg, der das Projekt initiiert hat.

Die Ergebnisse der Feldstudie sollen bis Jahresende vorliegen, wobei besonders die Erfahrungswerte der Studenten berücksichtigt werden, erklärt Löffl. Der hatte schon mehrere ungewöhnliche Ideen: Im Jahr 2004 leitete er die Expedition eines spätantiken Flusskriegsschiffs auf der Donau, 2008 unternahmen er und Studenten in voller Montur einen Legionärsmarsch nach Passau. Dabei geht es immer um das eine: Der Wahrheit über das Leben im Alten Rom näher zu kommen.

Bayerische Studenten spielen Gladiatoren - im Gegensatz zu den alten Römern duellieren sie sich allerdings mit stumpfen Waffen. Die Aktion dient einem wissenschaftlichen Experiment. Foto: dpa.