Weniger Huren und Hasch

Amsterdam. "Heineken, Hasch und Huren" - der heimliche Slogan vieler Amsterdam-Touristen stört die Stadtväter der Grachtenmetropole schon lange. Nun macht Bürgermeister Job Cohen ernst: Die Wallen im historischen Zentrum Amsterdams - das wohl berühmteste Rotlicht- und Marihuana-Viertel der Welt - werden einer Schönheitsoperation unterzogen

Amsterdam. "Heineken, Hasch und Huren" - der heimliche Slogan vieler Amsterdam-Touristen stört die Stadtväter der Grachtenmetropole schon lange. Nun macht Bürgermeister Job Cohen ernst: Die Wallen im historischen Zentrum Amsterdams - das wohl berühmteste Rotlicht- und Marihuana-Viertel der Welt - werden einer Schönheitsoperation unterzogen. Die Zahl der Huren-Schaufenster und Cannabis-Cafés, die Besucher aus aller Herren Länder in die Gegend rings um die ehrwürdige Oude Kerk locken, soll innerhalb von zehn Jahren halbiert werden.

"Projekt 1012"

Das am Wochenende vorgelegte "Projekt 1012: Das Herz von Amsterdam" - 1012 ist die Postleitzahl des Viertels - löste bei einigen bittere Kommentare aus. "Wem nach einem legalen Quicky ist, der muss sich beeilen", empfiehlt das Stadtmagazin "Time Out Amsterdam" in seiner Weihnachtsausgabe. Bürgermeister Cohen rät zur Gelassenheit: "Auch in zehn Jahren werden Menschen Amsterdam ebenso wegen seiner wundervollen Museen besuchen, wie auch wegen seines Rotlichtviertels. Nur dass dies halt kleiner sein wird", sagte er. Am Ende der Altstadtsanierung soll es - konzentriert am Oudezijds Achterburgwal und seinen Seitengassen - immerhin noch 240 der derzeit rund 500 Hurenfenster und 40 der heute noch 80 "Coffeeshops" geben, in denen Hasch und Marihuana konsumiert werden dürfen.

Ringsum soll das "Herz Amsterdams" durch eine umfangreiche Modernisierung "zu einem der spannendsten, abwechslungsreichsten und interessantesten" Szene-Viertel Europas werden.

Rund 50 Millionen Euro will die Stadt ausgeben, um Besitzern von malerischen alten Grachtenhäuser, die an Betreiber von Bordellen, Peep- und Porno-Live-Shows sowie an Fenster-Huren vermietet werden, ihre Immobilien abzukaufen. Statt Sex und Cannabis sollen Boutiquen, Edelrestaurants und Kunstgalerien Besucher anlocken. Als ein Hauptziel nennt Cohen den Kampf gegen die organisierte Kriminalität. "Der Missbrauch von Frauen und der Handel mit Frauen ist nicht länger hinnehmbar. Wir müssen das Viertel einfach sicherer machen." Dafür - so argumentiert die Polizei - müsse die Zahl der Sex- und Cannabis-Unternehmen verringert werden. Nur dann seien sie noch zu überwachen und nur dann könne verhindert werden, dass Banden auf den Wallen Geld waschen und junge Mädchen zur Prostitution zwingen.

Lieber wohlhabende Mieter

Längst nicht alle stimmen dem zu. Mariska Majoor, die einst selbst ihren Lebensunterhalt als Fensterhure verdiente und seit 15 Jahren die Hilfsorganisation Prostitutie Informatie Centrum betreibt, wirft den Stadtoberen vor, die "Gentrifizierung" der Wallen zu betreiben. Der Begriff steht für die Verdrängung ärmerer Bevölkerungsteile aus potenziell attraktiven Stadtgebieten, in die dann wohlhabende Mieter und Immobilienkäufer einziehen.

Zwangsprostitution sei auf den Wallen eher selten. Viele Frauen, die sich dort bislang legal als Huren verdingen, würden nun in die Illegalität abdrängt, befürchtet Majoor. "Das wird es noch schwieriger machen, für ihre Rechte zu kämpfen." Ganz einfach dürfte das "Projekt 1012" allerdings auch deshalb nicht durchzusetzen sein, weil manche Hausbesitzer durchaus nicht verkaufen, sondern weiter an Huren und Bordellbetreiber vermieten wollen.

Das Amsterdamer Rotlichtviertel bei Nacht. Foto: dpa.

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