Weniger Drogentote in Deutschland

Berlin. Der Drogentod in Deutschland ist oft das stille und traurige Ende eines langen Leidens. Immer mehr Heroinkranke leben schon seit Jahren mit dem Rauschgift, sind um die 40, sehen aber älter aus. 1237 Menschen starben 2010 zumeist an einer Überdosis. Es sind zwar sieben Prozent weniger als 2009, doch das macht Rauschgift zu keinem kleineren Problem in Deutschland

 Eine Crack-Pfeife wird angezündet. Foto: dpa

Eine Crack-Pfeife wird angezündet. Foto: dpa

Berlin. Der Drogentod in Deutschland ist oft das stille und traurige Ende eines langen Leidens. Immer mehr Heroinkranke leben schon seit Jahren mit dem Rauschgift, sind um die 40, sehen aber älter aus. 1237 Menschen starben 2010 zumeist an einer Überdosis. Es sind zwar sieben Prozent weniger als 2009, doch das macht Rauschgift zu keinem kleineren Problem in Deutschland. Denn für Zehntausende gehören harte Drogen zum Leben."Für die Abhängigen bedeutet das häufig Zerstörung der Chancen eines freien, eigenverantwortlichen Lebens", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) gestern in Berlin. Hilfsangebote, Methadon und Druckräume hätten immer mehr Betroffenen das Überleben ermöglicht. Viele leben also schon lange mit der Sucht. Das macht das Elend aber oft nicht viel geringer. Und Nachschub ist da - wenn es beim Heroin auch einen Einbruch gab. Die Polizei stellte 474 Kilogramm sicher, 38 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Jörg Ziercke, berichtet von einer geringeren Produktionsmenge von Rohopium vor allem in Afghanistan. Waren es 2009 noch 6900 Tonnen, sank die Zahl 2010 auf 3600 Tonnen. Doch es könnte wieder mehr werden, so lange die Bauern in Afghanistan keine Alternativen in großem Ausmaß sehen. Vielleicht verknappe die Drogenmafia auch das Angebot, um den Preis nach oben zu treiben. Dafür stellte die Polizei 3031 Kilogramm Kokain sicher, fast 80 Prozent mehr als 2009.

Der Polizei fielen 18 621 Menschen zum ersten Mal als Konsumenten harter Drogen auf - drei Prozent mehr als 2009. Bei Heroin, Kokain und Ecstasy waren es weniger. Bei Amphetamin stieg die Zahl auf 11 401. Bei kristallinem Methamphetamin (Chrystal) gab es einen besonders starken Ansieg auf 642 erstmals aufgefallene Konsumenten. Auch bei Crack und LSD ging die Zahl nach oben.

Die Botschaft von Ziercke ist klar: Niemand soll sich in Sicherheit wiegen - auch bei vermeintlich weichen Drogen lauern unabsehbare Gefahren. Er verweist auf die 348 Indoor-Plantagen für Cannabis, die die Polizei 2010 aushob. Hier hat das Cannabis einen Wirkstoffgehalt von bis zu 15 Prozent - normal seien sonst zwei bis vier Prozent.

Auch sogenannte Legal Highs bereiten den Behörden immer mehr Kopfzerbrechen. Als Badesalz, Lufterfrischer oder Kräutermischung getarnt kann so ein Gemisch Todesgefahren bergen. dpa

Keine Entwarnung

Von SZ-KorrespondentStefan Vetter

 Eine Crack-Pfeife wird angezündet. Foto: dpa

Eine Crack-Pfeife wird angezündet. Foto: dpa

Die Zahl der Drogentoten in Deutschland hat einen neuen Tiefstand erreicht. Das ist die gute Nachricht der jüngsten Bestandsaufnahme. Ob der positive Trend anhält, erscheint jedoch zweifelhaft, wenn man sich die gestiegene Zahl der Erstkonsumenten vor Augen führt. Leider gibt es aber kein Patentrezept gegen die Drogensucht. Umso wichtiger ist es, Betroffene nicht einfach zu kriminalisieren. Ihnen muss wirkungsvoll geholfen werden. Notwendig ist aber auch eine stärkere Bekämpfung des illegalen Drogenhandels. Zugleich sollte die Frage über sogenannte weiche Drogen neu gestellt werden. Warum in den einzelnen Bundesländern gewisse Mengen für den Eigenbedarf erlaubt sind, ist völlig unverständlich.

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