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Wegen Corona: Fataler Stillstand rund um Notre-Dame

Wegen Corona : Fataler Stillstand rund um Notre-Dame

Die Arbeiten nach dem Großbrand der Pariser Kathedrale müssen wegen des Coronavirus gestoppt werden. Das lockt Plünderer auf die Baustelle.

Die ausgebrannte Kathedrale Notre-Dame liegt noch immer wie ein waidwundes Tier auf der Île-de-la-Cité im Zentrum von Paris. Mit kühnen Holzkonstruktionen werden die Steinbögen an der Außenmauer notdürftig abgestützt und sollen so vor dem Einsturz bewahrt werden. Doch fast ein Jahr nach der Brandkatastrophe vom 15./16. April 2019 sind in diesen Tagen die Arbeiten zum Erliegen gekommen. Der Grund ist das Coronavirus. „Die Schutzmaßnahmen, die die Arbeiter wegen der Bleibelastung einhalten müssen, sind schon sehr hoch“, erklärt Ariel Weil, Bürgermeister des 4. Arrondissement, und es könne nicht noch eine zusätzliche Sicherheitsstufe wegen der Pandemie draufgesattelt werden. Also habe man sich schweren Herzens entschlossen, die Arbeiten ganz ruhen zu lassen.

Diese Entscheidung kommt in einem ungünstigen Moment. Denn die Arbeiter wollten gerade damit beginnen, das Metallgerüst zu demontieren, das noch immer auf dem Dach der schwer beschädigten Kathedrale liegt. In der Brandnacht war die rund 300 Tonnen wiegende Konstruktion, die im Zuge der Sanierungsarbeiten noch vor dem Brand installiert worden war, geschmolzen und lastet nun auf dem Gewölbe, das deswegen zusammenzubrechen droht. Zudem sollte das Dach abgedichtet und mit der Reinigung des Innenraumes begonnen werden. Geplant war auch, die Orgel der ehrwürdigen Kathedrale zu demontieren und zu restaurieren. Das alles muss nun warten, bis die für ganz Frankreich geltende Ausgangssperre aufgehoben wird.

Die Ruhe um die Kathedrale hat allerdings ihre Tücken, denn sie lockt finstere Gesellen an. In diesen Tagen wurden vom Sicherheitsdienst zwei Männer ertappt, die sich im Inneren Notre-Dames zu schaffen machten. Beim Anrücken der Polizei versteckten sie sich unter einer Bauplane. In einer großen Tasche hatten die Diebe Steine dabei, die sie offensichtlich verkaufen wollten. Für die Verantwortlichen ist das keine Überraschung, weshalb das Bauwerk auch rund um die Uhr bewacht wird. „Notre-Dame war schon immer ein Mythos“, erklärt André Finot, Sprecher von Notre-Dame. „Es gibt einen riesigen Schwarzmarkt für diese Dinge, man findet sogar Steine von der Kathedrale, die auf Ebay zum Kauf angeboten werden.“

Für die Verantwortlichen ist der Baustopp sehr bitter, denn 2020 sollte zu einer Art Schicksalsjahr für die Kathedrale werden. Bis jetzt war man noch immer vor allem mit Sicherungsarbeiten und der Aufnahme der Schäden beschäftigt. Das sollte sich in diesem Sommer ändern und die Restaurierung in Angriff genommen werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte noch in der Brandnacht am 15. April vergangenen Jahres verkündet, dass Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wieder aufgebaut werde. Das hielten Fachleute allerdings schon damals für nicht zu schaffen.

Bei dem verheerenden Brand, der mutmaßlich während der Renovierungsarbeiten am Dach ausgelöst wurde und weltweit für Entsetzen und Betroffenheit sorgte, verbrannte der komplette Dachstuhl, eine originale Eichenkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert. Teile der Gewölbekuppeln stürzten ein. Der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 19. Jahrhundert brach in sich zusammen und versank in einem unglaublichen Flammenmeer. Temperaturen bis zu 1000 Grad, Rauch, aber auch Löschwasser fügten dem Mauerwerk schwerste Schäden zu. Dazu kommt eine immense Bleikonzentration in und um die Kirche, Hinterlassenschaft der geschmolzenen Dächer – ein großes Gesundheitsrisiko für Anwohner und Arbeiter am Bau.