Was geschah mit Kim M.?

Auf einmal war sie weg: Eine junge Frau aus Kerpen mit finanziellen Problemen soll vor drei Jahren untergetaucht sein, vermuten die Ermittler anfangs. Doch dann gerät der Ehemann ins Visier. Den Richtern steht ein langer Indizienprozess bevor.

Es ist der 12. März 2012 - und Kim M. aus Kerpen bei Köln verschwindet spurlos. Zurück bleibt neben ihrem Mann ihre damals erst wenige Monate alte Tochter. Der Ehemann erzählt Freunden und Verwandten, seine Frau habe ihn verlassen. Zunächst zieht das niemand in Zweifel - die Familie war hoch verschuldet, die junge Frau könnte mit der Situation überfordert gewesen sein. Doch nach und nach wird für die Ermittler aus dem Vermisstenfall ein mutmaßliches Verbrechen. Dringend tatverdächtig: der Ehemann. Seit gestern sitzt er im Kölner Landgericht auf der Anklagebank. Dem 33-Jährigen wird Totschlag vorgeworfen - nur dass es keine Spur von der Leiche gibt.

In einem kniffligen Indizienprozess wollen die Richter klären, ob dem Mann die Tat dennoch nachgewiesen werden kann. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte seine damals 23 Jahre alte Ehefrau im gemeinsamen Haus auf unbekannte Weise getötet und die Leiche mit einem Auto weggeschafft. Auslöser soll ein Streit nach dem Anruf eines Gerichtsvollziehers gewesen sein. Als dieser einige Stunden später bei der Familie klingelte, öffnete ihm niemand, obwohl Kindergeschrei aus dem Haus ertönte.

Der Angeklagte - stämmige Figur, gestreiftes Hemd - hört sich die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag mit unbewegter Mine an und macht sich eifrig Notizen. Seine Schwiegermutter tritt als Nebenklägerin auf, sie trägt ein T-Shirt mit einem Foto ihrer Tochter, aber er schaut nicht hin. Seit seiner Verhaftung schweigt der 33-Jährige eisern, auch während des Prozesses will er sich nach Angaben seines Verteidigers nicht äußern.

Zunächst behandelte die Polizei das Verschwinden von Kim M. als Vermisstenfall. 2013 wurde er in der TV-Sendung "Aktenzeichen XY - spezial", in der es um vermisste Personen geht, dargestellt. Tatsächlich meldeten sich danach mehrere Zeugen, die Kim M. nach ihrem Verschwinden gesehen haben wollen. Doch gleichzeitig verdichteten sich bei den Ermittlern Hinweise, dass die junge Mutter Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte, wie der Leiter der Ermittlungsgruppe als Zeuge vor Gericht schildert. Der Verdacht richtete sich gegen den Ehemann.

So gab es Zweifel an der Echtheit von SMS, die Kim M. nach ihrem Verschwinden geschrieben haben sollte. Kims Handy-SIM-Karte sei später in einem Auto gefunden worden, das der Angeklagte benutzt habe, erläutert der Ermittlungsleiter. Bei einer späteren Durchsuchung des Hauses in Kerpen entdeckten die Beamten auf der Kellertreppe Blutspuren der Frau.

Den Richtern steht eine langwierige Sisyphus-Arbeit bevor. Der Prozess ist zunächst bis kurz vor Weihnachten terminiert, möglicherweise werden mehr als 100 Zeugen gehört.

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