Warten auf die Krone

Madrid. Spaniens Kronprinz Felipe wird aufmerksam die Nachrichten vom Hofe in den Niederlanden verfolgen. Dort hat die holländische Königin Beatrix ihre Abdankung angekündigt und den Weg für Prinz Willem-Alexander auf den Thron freigemacht

Madrid. Spaniens Kronprinz Felipe wird aufmerksam die Nachrichten vom Hofe in den Niederlanden verfolgen. Dort hat die holländische Königin Beatrix ihre Abdankung angekündigt und den Weg für Prinz Willem-Alexander auf den Thron freigemacht. Nun wird in Spanien heftig darüber diskutiert, ob der alte König und Staatschef Juan Carlos sich nicht ebenfalls zugunsten von Felipe zurückziehen sollte. Doch es sieht nicht so aus, als ob Juan Carlos, der gesundheitlich angeschlagen und dessen Ansehen auf dem Tiefpunkt ist, dem öffentlichen Druck nachgeben wolle. "Der König wird niemals abdanken und bis zu seinem Tod regieren", sagte Spaniens Königin Sofia schon vor geraumer Zeit voraus.

Juan Carlos will weitermachen

Die Parallelen sind nicht zu übersehen: Spaniens Prinz Felipe feierte am 30. Januar seinen 45. Geburtstag und ist damit im gleichen Alter wie der niederländische Thronfolger. Der spanische König Juan Carlos wurde Anfang Januar 75, genau wie Beatrix, die am heutigen Tag ihren Geburtstag feiert. Diese kündigte an, dass es Zeit sei, "die Verantwortung für das Land in die Hände einer neuen Generation zu geben". Juan Carlos klammert sich derweil an seinen Thron, erklärte vor kurzem: "Ich bin in guter Form, mit Energie und vor allem mit Lust, weiterzumachen."

Umfragen spanischer Medien sprechen dafür, dass immer mehr Spanier frischen Wind im Palast herbeisehnen oder sich sogar zunehmend ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt vorstellen können. "Könige können doch abdanken", prescht die konservative Zeitung "El Mundo" in einem Kommentar vor: "Juan Carlos sollte Felipe endlich die Krone übergeben, wenn er wirklich möchte, dass Spanien in den nächsten Jahrzehnten ein Königreich bleibt." Viele Spanier seien inzwischen der Meinung, dass das wankende Königshaus "eine dringende Machtübergabe" brauche. Vor allem, weil sich der Eindruck festigt, dass das Königshaus unter Juan Carlos zuletzt vor allem durch Affären und Skandale von sich reden machte.

Für besondere Empörung sorgt der Verdacht, dass der königliche Schwiegersohn und Ehemann von Prinzessin Cristina, Inaki Urdangarin, sich öffentliche Gelder in Millionenhöhe erschlichen haben und Steuern hinterzogen haben soll. Eine luxuriöse Elefantenjagd des Königs in Afrika mitten in Krisenzeiten verstärkte den Eindruck, dass Juan Carlos die Bodenhaftung verloren hat. Ganz zu schweigen von unendlichen Berichten über Liebesabenteuer, die seiner Ehe mit Königin Sofia und seinem Ruf schadeten.

"Thronfolger zu sein, bedeutet, sich darauf vorzubereiten, einmal König zu sein", sagte Prinz Felipe einmal. Es gibt keinen Zweifel, dass der jüngste Königsspross gut auf seine Zukunft vorbereitet ist. Er spricht mehrere Sprachen, durchlief eine Offiziersausbildung, studierte Recht, Wirtschaft sowie internationale Politik. Immer öfter vertritt er seinen Vater in der Öffentlichkeit. Der Prinz gilt als würdiger Staatsrepräsentant.

Vor neun Jahren heiratete Felipe die frühere TV-Journalistin Letizia Ortiz - eine Bürgerliche, die in erster Ehe geschieden ist. Die beiden haben zwei Töchter: Die ältere, Prinzessin Leonor, ist sieben Jahre alt, steht in der Thronfolge gleich hinter Felipe und könnte irgendwann Spaniens erste königliche Staatschefin werden.