War Geldgier das Motiv?

München. Wenn die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft zutreffen, dann war es reine Geldgier, die Thomas S. zum grausamen Mord an seinen beiden kleinen Nichten trieb. Es sind massive Vorwürfe, denen sich der 51 Jahre alte Postzusteller vor dem Landgericht München stellen muss, wo morgen der Prozess gegen ihn beginnt

München. Wenn die Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft zutreffen, dann war es reine Geldgier, die Thomas S. zum grausamen Mord an seinen beiden kleinen Nichten trieb. Es sind massive Vorwürfe, denen sich der 51 Jahre alte Postzusteller vor dem Landgericht München stellen muss, wo morgen der Prozess gegen ihn beginnt. Die Gewalt, mit der er die achtjährige Chiara und ihre drei Jahre ältere Schwester Sharon attackiert haben soll, ist kaum zu begreifen.Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die Familie von Thomas S. in massiven finanziellen Schwierigkeiten. Die Zwangsversteigerung des noch nicht ganz fertiggebauten Hauses im oberbayerischen Peißenberg drohte. Mehrfach habe sich S. bemüht, seine Schwägerin, die Mutter der beiden Mädchen, dazu zu bewegen, den Anteil seiner Frau an einer gemeinsamen Eigentumswohnung abzulösen, was diese jedoch nicht tat.

Daher entschloss er sich den Ermittlungen zufolge, seine Schwägerin und deren Kinder zu töten, um seine Frau zur alleinigen Erbin des Erbes der Familie S. zu machen. Er soll gewusst haben, dass die beiden Mädchen Mittwochnachts immer allein in der Kraillinger Wohnung waren, da ihre Mutter sich an diesem Tag in der etwa 50 Meter entfernten Gaststätte ihres Lebensgefährten aufhielt. Auch dass die Wohnungstür dann unversperrt blieb, sei S. bekannt gewesen.

Er sei daher am 24. März 2011 um kurz nach Mitternacht in die Wohnung eingedrungen. Er habe Sharon mit fünf Messerstichen in die Brust getötet. Chiara habe er mit einer Hantelstange den Schädel zertrümmert und mindestens elf Mal auf den Oberkörper des Kindes eingestochen. Den Ermittlern zufolge wollte S. nun auf seine Schwägerin warten und sie in einer mit Wasser gefüllten Badewanne, in die er einen Handmixer werfen wollte, umzubringen. Da die Mutter der Mädchen aber erst später als von S. erwartet heimkam, ließ er seinen Plan fallen. Der Mann wurde erst eine Woche nach der Tat nach intensiver Fahndung festgenommen.

Adam Ahmed, Verteidiger von Thomas S., hat Zweifel an der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Das Motiv Habgier sei "nicht wirklich verständlich". dapd