War es Brandstiftung?

Bei einem Brand in der Bochumer Bergmannsheil-Klinik sterben zwei Menschen, 16 werden verletzt. Möglicherweise könnte eine Patientin den Brand verursacht haben – mit der Absicht, sich umzubringen.

An einem Balkongitter im sechsten Stock des Bettenhauses im Bochumer Bergmannsheil-Krankenhaus hängen noch zwei aneinandergeknotete Laken. Jalousien sind durch die Hitze geschmolzen, Fenster sind herausgedrückt. Wenige Stunden zuvor sind bei einem Großbrand zwei Menschen in dem Klinikgebäude ums Leben gekommen, 16 weitere erlitten Verletzungen. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler könnte die Patientin, in deren Zimmer das Feuer ausbrach, den Brand verursacht haben. Eine Selbstmordabsicht der Frau sei nicht auszuschließen. Eine Krankenschwester sagte gegenüber der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, dass sie die Patientin "lichterloh brennend" und tanzend in ihrem Krankenzimmer vorgefunden hätten.

Um 2.35 Uhr wird die Bochumer Feuerwehr alarmiert. Als erste Rettungskräfte sechs Minuten später am Krankenhaus eintreffen, ist der Brand schon "untypischerweise viel weiter fortgeschritten, als es zu erwarten gewesen wäre", wie Einsatzleiter Gottfried Wingler-Scholz später die Abläufe schildert. Die Lage sei "sehr, sehr brenzlig" gewesen.

An zwei Fenstern stehen Patienten . "Man hat den Flammenschein im Hintergrund schon gesehen", berichtet Wingler-Scholz. Die beiden Kranken werden über eine Drehleiter in Sicherheit gebracht. Feuerwehrleute hasten mit schwerem Atemschutzgerät das Treppenhaus bis in den sechsten Stock hinauf. Viele bettlägerige Patienten aus der Station für Infektionskrankheiten müssen heruntergetragen werden. Unter den Geretteten ist nach Angaben von Wingler-Scholz auch der Patient, der sich wohl mit den zusammengeknoteten Laken vom Balkon abseilen wollte.

Nach 45 Minuten ist das Gebäude evakuiert. 126 Patienten werden aus dem Haus geholt, sieben wurden nach Angaben der Stadt Bochum lebensgefährlich verletzt. Insgesamt 16 erlitten Verletzungen. Für zwei Patienten kommt der Rettungseinsatz zu spät. In dem Krankenzimmer, in dem das Feuer nach ersten Erkenntnissen ausgebrochen ist, stirbt eine 69-jährige Frau. Das zweite Todesopfer, ein 41-jähriger Mann, wird aus dem Nachbarzimmer geborgen.

Ein Patient versuchte, sich an Bettlaken abzuseilen.

Auch das Krankenhaus löst Großalarm aus. Alle Ärzte und Pflegekräfte im Dienst helfen dabei, die Patienten aus den Etagen zu holen. Die Klinikleitung muss jetzt den Weiterbetrieb des wichtigen Unfallkrankenhauses organisieren. "Das Krankenhaus ist einsatzfähig, die Notfallversorgung nicht eingeschränkt", versichert Schildhauer. Wichtige Bereiche wie Operationssäle und Intensivstationen seien nicht betroffen. Das Ausmaß des Feuers könnte durch ein Bettenlager verstärkt worden sein, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD ) bei einem Besuch am Brandort. "Das muss man jetzt klären, das ist die erste Information, dass in einem Geschoss darüber eben halt Betten gelagert wurden." Es soll ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden sein.