Keine Hinweise auf ein Raubtier War die Löwin nur ein Wildschwein? Aktive Suche in Berlin wird eingestellt

Update | Kleinmachnow · Die Suche nach einer Löwin hat Berlin und Brandenburg auch am Freitag beschäftigt. Mit Drohnen und Hubschraubern wurde nach der vermeintlichen Wildkatze gesucht. Jetzt wurde die Suche eingestellt.

Polizei sucht nach frei laufender Löwin bei Berlin (Fotos)
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Polizei sucht nach frei laufender Löwin bei Berlin

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Foto: dpa/Annette Riedl

Update vom 21. Juli – 13.27 Uhr:

Die Polizei hat auf der Suche nach einer mutmaßlichen Löwin Entwarnung gegeben. Im geprüften Gebiet gebe es keine Hinweise auf eine Löwin, sagte Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert (SPD) am Freitag. Experten gingen auch nach der Analyse der Bilder nicht mehr von einem Raubtier aus, sondern von einem Wildschwein.

Update vom 21. Juli – 11 Uhr: Polizei kontrolliert privaten Tierhalter

Die Polizei hat auf der Suche nach einer entlaufenden Raubkatze an der Grenze von Berlin und Brandenburg einen privaten Tierhalter überprüft. Das Tier, das diese Person halte, sei noch da, sagte der Sprecher der Polizeidirektion West, Daniel Keip, am Freitagmorgen. Nähere Angaben etwa auch, wo das Tier gehalten werde, wollte er nicht machen.

Das Landesamt für Umwelt teilte mit, im Tierbestandsverzeichnis seien 23 Löwen aus drei Zirkusunternehmen, zwei Zoos und einer privaten Haltung in Brandenburg erfasst. Der Polizei seien die Kontaktdaten übermittelt worden.

Update vom 21. Juli – 9 Uhr:

Die Suche nach einer freilaufenden Raubkatze in Berlin und Brandenburg soll am Freitag intensiviert werden. Professionelle Tierspurensucher werden den Wald durchforsten, wie der Bürgermeister von Kleinmachnow, Michael Grubert (SPD), im RBB ankündigte. Unter anderem in seiner Gemeinde soll das Tier - mutmaßlich eine Löwin - gesichtet worden sein. „Es kann nicht tagelang so weiter gehen“, sagte Grubert mit Blick auf den Großeinsatz der Polizei.

Suche nach Löwin: Berlin will Drohnen einsetzen

Auch in der Nacht zum Freitag hatte die Polizei in Brandenburg und Berlin weiter gesucht. Im Süden der Hauptstadt seien etwa 220 Polizistinnen und Polizisten in dem Bereich im Einsatz, wo es mögliche Sichtungen gab, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei am Donnerstagabend. Beteiligt an der Suche seien Veterinärmediziner und der Stadtjäger. Es sollten Nachtsichtgeräte und eine Nachtsichtdrohne eingesetzt werden. Der Einsatz konzentrierte sich auf den Bereich Zehlendorf, wo das Tier möglicherweise gesehen wurde.

„Wir beobachten die Wälder, wir gehen aber nicht mehr in sie hinein“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur in der Nacht. „Unsere Kollegen bleiben in der Nacht weiter vor Ort im Einsatz und setzen morgen früh die Suche fort“, twitterte die Berliner Polizei kurz vor Mitternacht. Rund 70 Einsatzkräfte sicherten weiterhin das betroffene Gebiet. Bei Tageslicht sollten dann auch wieder Drohnen für die Suche eingesetzt werden, hieß es.

Veterinärmediziner ist nicht überzeugt, dass es eine Löwin ist

Parallel dazu setzte auch die Polizei in Brandenburg in der Nacht ihre Suche fort. In der Nacht seien mehrere Gruppen unterwegs, sagte ein Polizeisprecher am Abend. „Wir gehen jedem Hinweis nach.“ Am Tag waren laut Polizei mehr als 100 Beamtinnen und Beamten im Einsatz.

Es seien immer wieder Hinweise von Bürgern bei der Polizei und dem zuständigen Ordnungsamt eingegangen, teilte die Polizei mit. Diese würden systematisch geprüft. „Bislang führte keiner der Hinweise zur Feststellung des gesuchten Wildtieres.“

Zunächst fehlte jedoch jede Spur: Weder Blut noch Kot oder Pfotenabdrücke deuteten auf die Präsenz des Tieres in der Region hin. Aus Sicht des Veterinärmediziners Achim Gruber von der Freien Universität Berlin bleiben nicht zuletzt deswegen Zweifel, ob es sich wirklich um eine Löwin handelt. Ich halte es für möglich, dass das eine Löwin ist, bin aber nicht davon überzeugt“, sagte Gruber im RBB-Spezial. Er setze auf die Jagdhunde, die nach dem Tier suchten. Wenn diese keine Spuren fänden, sei dies „ein starkes Puzzlestück“ gegen die Hypothese, dass man es mit einer Löwin zu tun habe.

Auch Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert ist skeptisch, ob tatsächlich eine Raubkatze frei durch Berlin und Brandenburg läuft. Er könne auf dem bekannten Video nur zwei Wildschweine erkennen, die von links nach rechts laufen, sagte er am Freitagmorgen im RBB-Inforadio. „Ich glaube aber natürlich den Zeugen, den Kollegen von der Polizei in Berlin, die ein derartiges Tier auch real gesehen haben“, ergänzte Ehlert. Dennoch mache es ihn stutzig, dass bisher keine Spuren gefunden werden konnten.

„Grundsätzlich kann ein Löwe nicht einfach weg sein, auch so eine Löwin nicht. Sie hinterlässt Spuren“, sagte der Wildtierexperte. „Es ist schon sehr auffällig, dass an der Stelle, wo das Tier gesehen und gefilmt wurde, nicht mal ein Trittsiegel zu sehen ist.“ Dennoch könne es sein, dass das Tier in Berlin und Brandenburg rumläuft.

Und falls es tatsächlich eine Löwin ist, dann bleibt die Frage: Woher kommt sie? Aus den Zoos, Tierparks und Zirkussen dieser Region jedenfalls nicht, wie die Polizei in der Nacht herausfand. Dort vermisste niemand eine Großkatze. Private Halter sind laut Bürgermeister Grubert in Kleinmachnow nicht bekannt.

Update vom 20. Juli:

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Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Wegen des herumstreunenden mutmaßlichen Raubtiers hat die Berliner Polizei am späten Donnerstagabend ihre Warnung erneuert. „Bitte meiden Sie die südlichen Waldgebiete Berlins über die Stadtgrenze hinaus“, teilten die Beamten kurz vor Mitternacht auf Twitter mit. Und: „Unsere Kollegen bleiben in der Nacht weiter vor Ort im Einsatz und setzen morgen früh die Suche fort.“ Hinweisen aus der Bevölkerung werde weiter nachgegangen, hatte eine Polizeisprecherin zuvor gesagt. Bei dem Tier, das am frühen Donnerstagmorgen erstmals gesehen worden war und in Berlin und Brandenburg unterwegs ist, könnte es sich um eine Löwin handeln.

Erstmeldung vom 20. Juli: Die Polizei ist weiter auf der Suche nach dem entlaufenen Wildtier in der Gegend um Kleinmachnow südlich von Berlin. Es handelt sich laut Polizei höchstwahrscheinlich um eine Löwin. Am Donnerstagnachmittag wurde das Tier möglicherweise gesichtet. Das teilt die Polizei Berlin auf Twitter mit. Das Veterinäramt, der Stadtjäger und ein Polizeihubschrauber sind auf dem Weg zum möglichen Aufenthaltsort.

„Wir sind mit massiven Kräften vor Ort zum Schutz der Bevölkerung“, sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion West. Die Polizei rief die Menschen dazu auf, achtsam zu sein und etwa Spaziergänge in Wäldern zu vermeiden. Eine Ausgangssperre gebe es aber nicht, hieß es.

Unklarheiten, ob Raubkatze eine Löwin sein könnte

Wie die Polizei am frühen Donnerstagmorgen mitgeteilt hatte, suchten Einsatzkräfte mit Hubschraubern in Kleinmachnow und angrenzenden Gemeinden nach dem Tier. Unter anderem wurde die Bevölkerung mithilfe von Warnapps gewarnt. Nach Angaben von Anwohnern war die ganze Nacht über mindestens ein Hubschrauber über der Stadt im Einsatz.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben von dem Wildtier durch Zeugen erfahren. Diese hätten Videos aufgenommen, wie die Raubkatze ein Wildschwein gejagt und erlegt habe. Anhand der kurzen Aufnahmen im Internet sei es nicht auszuschließen, dass es sich um eine Löwin handele, hieß es in einer Stellungnahme. „Mit Sicherheit können wir dies aufgrund der geringen Qualität der Aufnahmen aber nicht bestätigen“, sagte Christian Kern, Zoologischer Leiter von Zoo und Tierpark Berlin.

Laut Einschätzungen von Expertinnen und Experten aus Zoo und Tierpark würde eine Löwin in den Sommermonaten durchaus in einem heimischen Waldstück zurechtkommen. In einem ihr unbekannten Terrain könne davon ausgegangen werden, dass sie sich ins Unterholz zurückziehe und nicht aktiv den Kontakt zum Menschen suche. „Auch die Gefahr, dass ein Wildtier auf freier Fläche wie beispielsweise im Wald, Park oder Feld einen Menschen direkt angreift ist geringer, als wenn es sich in einem Wohngebiet in die Enge getrieben und bedroht fühlt.“ Bei einer Begegnung mit dem Tier gelte es, genügend Abstand zu halten, die Polizei zu informieren und den Standort durchzugeben.

Löwin in Brandenburg? Kita bleiben offen, Kinder dürfen aber nicht raus

Die Gemeinde hat am Morgen auf die Suche nach dem Raubtier reagiert, hält aber Einrichtungen offen. Die Kitas seien geöffnet, die Kinder dürften aber nicht raus in den Garten, sagte eine Sprecherin der Gemeinde. Auch das Rathaus bleibe offen. Den Händlern am Markt sei empfohlen worden, keine Stände aufzubauen. „Es sind kaum Leute da“, sagte die Sprecherin. „Das gibt es nicht alle Tage.“

Eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark sagte, es sei eine Tierärztin mit vor Ort und zwei Jäger mit Waffen. Wenn man das Tier finde, werde entschieden, ob man mit Betäubung arbeite oder es erschießen müsse. „Das wird je nach Situation entschieden.“ Die Suche nach dem Raubtier sei eine große Herausforderung, meinte die Sprecherin.

Wem das Tier gehört, wusste die Polizei bislang nicht. Es seien Zoos, Tierparks, Zirkusse und Tierschutzeinrichtungen überprüft worden. „Es wird keine Löwin vermisst“, so der Sprecher. Die Polizei geht weiter davon aus, dass sich das Tier - höchstwahrscheinlich eine Löwin - im Bereich Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf aufhält.

Raubtier in Zehlendorf nicht gefunden

Auf der Suche nach dem Raubtier in Berlin führten Hinweise die Polizei am Nachmittag nach Zehlendorf – doch die Spur führte in Leere. „Die Gegend wurde abgesucht. Es fanden sich keine Hinweise oder Spuren, dass das Tier sich dort tatsächlich befunden hat“, teilte die Polizei am Donnerstag auf Twitter mit. Die Hinweise hätten sich auf den Bereich Waldfriedhof bezogen.

Damit geht die Suche nach der mutmaßlichen Löwin weiter. Um Mitternacht war ein Notruf und ein Video aus Kleinmachnow bei der Polizei eingegangen, das das Tier zeigen soll. Seither suchen die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot nach der Raubkatze.

(dpa)