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Von der Karikatur zum Modehund

Von der Karikatur zum Modehund

Mainz. Er ist alles andere als eine Schönheit. Und doch liegt der kurzbeinige, knautschgesichtige Hund namens Mops im Trend. Veraltet ist das Klischee vom Schoßhündchen, das auf Tantes Sofa ab und zu ein Leckerli zugesteckt bekommt. Längst begleitet der Mops Herrchen und Frauchen auf Shoppingtouren und zu Promi-Partys. Das Landesmuseum Mainz widmet ihm nun eine historische Ausstellung

Mainz. Er ist alles andere als eine Schönheit. Und doch liegt der kurzbeinige, knautschgesichtige Hund namens Mops im Trend. Veraltet ist das Klischee vom Schoßhündchen, das auf Tantes Sofa ab und zu ein Leckerli zugesteckt bekommt. Längst begleitet der Mops Herrchen und Frauchen auf Shoppingtouren und zu Promi-Partys. Das Landesmuseum Mainz widmet ihm nun eine historische Ausstellung.

Miss Hessen mit Mops

"Es gibt wieder einen Trend zum Mops", sagt Liesa Willms. Die Zuchtbuchführerin im Mops-Pekinesen-Rassehundeverband in Löhne beobachtet seit Jahren ein steigendes Interesse am Mops. Der Verband habe in den vergangenen vier Jahren doppelt so viele Welpen abgegeben wie zuvor. Rund 1800 Welpen fanden seit 2000 ein Zuhause, beim Otto-Normal-Bürger wie beim Promi. Komponisten und Fernsehköche hätten auf der Suche nach einem Mops schon angeklopft, erzählt sie. "Heute war die amtierende Miss Hessen da."

Als Statussymbol der Schönen und Reichen habe der Mops Tradition, berichtet Wolfgang Saal, Kurator der noch bis Januar 2009 laufenden Mainzer Ausstellung "Mopskult - Geheimnisse um ein vergessenes Idol". Schon im 17. und 18. Jahrhundert tapste der Mops durch die Salons der Adeligen. Im 19. Jahrhundert begannen harte Zeiten für den Mops: Wilhelm Busch verspottete ihn als Witwentröster, und in Karikaturen musste er als Sinnbild für den verfressenen Spießbürger herhalten. Dann machten prominente Mopsbesitzer wie Winston Churchill, Andy Warhol und Jacky Kennedy das Tier wieder salonfähig. Heute ist der Mops zum Modehund avanciert, dem nicht nur Designerin Jette Joop verfallen ist. Mopsfan Willms wundert sich nicht über den Boom. Von "sympathischem Wesen" sei das Tierchen, pflegeleicht, quirlig und treu, sagt sie. Ausstellungsmacher Saal erklärt sich die Begeisterung auch mit dem "Kindchen-Schema" - den großen Kulleraugen, dem runden Kopf und der Stupsnase des Mopses.

Genau diese Niedlichkeit wird dem Vierbeiner oft zum Verhängnis. Denn viele Züchter versuchen, die Augen noch größer, die Ohren noch kleiner und die Nase noch flacher zu machen - mit schlimmen Folgen. "Die Tiere kriegen zu wenig Luft und die Augen sind entzündet", schimpft Helmut Stadtfeld, der Vorsitzende des Tierschutzbeirats Rheinland-Pfalz. Gedankenlos sei mancher Züchter oder nur an Profiten interessiert. Neu ist solche Tierquälerei indes nicht. In der Mainzer Ausstellung erfährt man, dass den Tieren schon im 18. Jahrhundert die Ohren gestutzt wurden.

Züchter wie Willms versuchen heute, dem Mops seinen einstigen Körper zurückzugeben - mit Erfolg. Durch neue Züchtungen habe sich das kurzatmige Dickerchen zum "agilen Laufhund" gemausert, der seinem Herrchen viel Freude bereite, berichtet Willms. "Man schaut einen Mops nur an, und dann springt er einem direkt ins Herz", schwärmt sie.

 Echte Möpse gibt es mit schwarzem und hellem Fell. Foto: Junior
Echte Möpse gibt es mit schwarzem und hellem Fell. Foto: Junior
 Mops aus Höchster Fayence (um 1750). Foto: Landesmuseum Mainz
Mops aus Höchster Fayence (um 1750). Foto: Landesmuseum Mainz
 Echte Möpse gibt es mit schwarzem und hellem Fell. Foto: Junior
Echte Möpse gibt es mit schwarzem und hellem Fell. Foto: Junior