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Vom Zuschauersaal auf die Zeugenbank

Vom Zuschauersaal auf die Zeugenbank

Mannheim. Alice Schwarzer (Foto: dapd) wechselt im Kachelmann-Prozess die Rollen. Bislang berichtete die Journalistin und Frauenrechtlerin als "Bild"-Reporterin aus dem Gerichtssaal. Heute soll sie dort als Zeugin vernommen werden. In der vergangenen Woche hatte die Verteidigung von Jörg Kachelmann (Foto: dapd) beantragt, Schwarzer zu vernehmen

Mannheim. Alice Schwarzer (Foto: dapd) wechselt im Kachelmann-Prozess die Rollen. Bislang berichtete die Journalistin und Frauenrechtlerin als "Bild"-Reporterin aus dem Gerichtssaal. Heute soll sie dort als Zeugin vernommen werden. In der vergangenen Woche hatte die Verteidigung von Jörg Kachelmann (Foto: dapd) beantragt, Schwarzer zu vernehmen. Daraufhin war über eine längere Auszeit der 68-Jährigen spekuliert worden. Denn bis zu ihrer Vernehmung ist sie von den Verhandlungen ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hatte zuvor mitgeteilt, dass sie keine Einwände gegen den Antrag von Verteidiger Johann Schwenn habe. Am Nachmittag gab dann das Gericht bekannt, dass Schwarzer für heute Nachmittag geladen sei.

Schwarzer hatte erstmals in der Talkshow von Anne Will zum Fall Kachelmann Position bezogen. Sie trat damals vor Prozessbeginn veröffentlichten Berichten entgegen, die langjährige Freundin Kachelmanns lüge und wolle sich an Kachelmann rächen. Vor allem kritisierte Schwarzer die ebenfalls anwesende "Spiegel"-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen, die Kachelmann in einem Beitrag einen "Herzensbrecher und Filou" genannt hatte. Das sei bei den im Raume stehenden Vorwürfen nicht der angemessene Ton, kritisierte Schwarzer.

Als nächstes machte Schwarzer von sich reden, als sie am Tag vor Prozessbeginn bekannt gab, für die "Bild"-Zeitung zu berichten. Der Verteidiger Kachelmanns wirft der "Emma"-Herausgeberin vor, einen öffentlichen Feldzug gegen den Angeklagten zu führen. Sie habe Kontakte zum Therapeuten der Ex-Freundin, Günter Seidler, und mit ihm den Prozess besprochen. Bei dem Heidelberger Professor und Traumatologen ist das angebliche Vergewaltigungsopfer in Behandlung. Er sagte im Prozess inzwischen vier Mal aus. Der Experte hält die Angaben seiner Patientin für glaubwürdig und ihre Erinnerungslücken für eine Folge ihrer Todesangst. Für Verteidiger Schwenn hat Professor Seidler dagegen "scharlataneske Züge".

Schwarzer sagte vor Journalisten, dass sie nach der Talkshow von Anne Will eine E-Mail von Kachelmanns Ex-Freundin erhalten hatte, in der diese sich bedankte. Sie habe der Frau zu einem zweiten Medienanwalt geraten, dann aber im Hinblick auf den laufenden Prozess den Kontakt abgebrochen. Außerdem plane sie, nach dem Urteil ein Buch über den Fall Kachelmann zu schreiben. Sie habe hierfür zu Seidler Kontakt aufgenommen. Schwarzer hat als Journalistin ein Aussageverweigerungsrecht. Ob die Publizistin davon Gebrauch macht, ist aber keineswegs sicher.

Am Rande

Jörg Kachelmann wird nach Beschwerden von Hörern nicht mehr das Wetter beim Schweizer Sender "Radio Sunshine" präsentieren. Kachelmann hatte dort am vergangenen Freitag erst zum zweiten Mal das Wetter moderiert. Beim Sender "Radio Basel" ist Kachelmann dagegen weiter auf Sendung und präsentiert jeweils freitags das Wochenendwetter. dpa