Vogelschlag unterm Mikroskop

Vogelschlag unterm Mikroskop

Washington. Das Indiz kam per Post, in einer Plastiktüte: Eine Feder. Sie soll den Forschern am Naturkundemuseum in Washington verraten, welche Vogelart die Notwasserung des US-Airways-Flugzeugs im Hudson River in New York vor knapp zwei Wochen erzwungen hat

Washington. Das Indiz kam per Post, in einer Plastiktüte: Eine Feder. Sie soll den Forschern am Naturkundemuseum in Washington verraten, welche Vogelart die Notwasserung des US-Airways-Flugzeugs im Hudson River in New York vor knapp zwei Wochen erzwungen hat. "Man kann ein Problem nicht beheben, bevor man nicht die Ursache kennt", sagt Carla Dove, Ornithologin (Vogelkundlerin) am "Smithsonian Museum of Natural History". "Wenn man weiß, welche Vögel an den Zusammenstößen beteiligt sind, kann man die nötigen Schritte einleiten, um die Vögel von den Flughäfen fernzuhalten", erläutert sie ihre Arbeit.

Die Forscherin des "Labors zur Feder-Identifizierung" wird immer dann aktiv, wenn Vögel Piloten in Schwierigkeiten gebracht haben - wie in New York. Das Flugzeug war durch Vogelschlag an beiden Triebwerken so stark beschädigt worden, dass der Pilot kurz nach dem Start notlanden musste.

Der erste Verdacht fiel auf Gänse. Weil das Flugzeugwrack auf den Grund des Flusses sank, fanden sich nur sehr wenige Vogelüberreste. Aber selbst wenn ein Vogel komplett in das Triebwerk gesaugt werde, gebe es immer ein paar Überreste mit mikroskopisch kleinen Merkmalen, die verraten, um welche Vogelart es sich handele, sagt Dove. Ihr Labor analysierte allein im vergangenen Jahr Vogelüberreste aus 4600 Zusammenstößen. Meist trifft es kleine Maschinen und keine großen Passagierflugzeuge. Steht fest, um welche Tiere es sich handelt, können Gegenmaßnahmen ergriffen werden. So können etwa Bäume in der Nähe entfernt oder in sicherer Entfernung Tümpel für Wasservögel angelegt werden.

Zum bisher folgenschwersten Unfall durch Vogelschlag kam es 1960 in Boston, als eine Propellermaschine der US-Fluggesellschaft "Eastern Airlines" nach einem Zusammenstoß mit einer Schar Stare abstürzte und 62 Menschen starben. Das Unglück war der Anlass für die Zusammenarbeit zwischen Luftverkehrsbehörden mit dem Smithsonian Museum of Natural History.

New York gilt als berüchtigt. Die drei Flughäfen der Stadt liegen zwischen großen Gewässern und Naturschutzgebieten. Mehr als 350 Vogelgattungen fliegen jedes Jahr über die Millionenstadt hinweg, sagte Susan Elbin vom New Yorker Audubon-Vogelschutzverein der "New York Times". Ihrer Schätzung nach leben in der Stadt rund 25 000 Kanadagänse. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es tatsächlich diese Art war, die Flug 1549 zur Notlandung auf dem Hudson zwang.

Vögel waren schuld an der Notlandung in New York. Foto: dpa.