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Viele schwarze Schafe beim Taxi-Test

Viele schwarze Schafe beim Taxi-Test

München. Der bayerische Liedermacher Fredl Fesl hat der unverschämten Abzockerei auf den Straßen einen eigenen Song gewidmet. In seinem "Taxilied" spießt er das leidige Thema der preistreibenden Umwege auf und beklagt, wie teuer eine kurze Stadtfahrt in München manchmal werden kann. Das Lied von 1976 sei leider immer noch aktuell, sagt ADAC-Experte Robert Sauter

München. Der bayerische Liedermacher Fredl Fesl hat der unverschämten Abzockerei auf den Straßen einen eigenen Song gewidmet. In seinem "Taxilied" spießt er das leidige Thema der preistreibenden Umwege auf und beklagt, wie teuer eine kurze Stadtfahrt in München manchmal werden kann. Das Lied von 1976 sei leider immer noch aktuell, sagt ADAC-Experte Robert Sauter. Denn bei dem diesjährigen Taxitest bewertete der Autoclub von 240 Fahrten in zwölf deutschen Städten 35 Touren (knapp 15 Prozent) mit "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft". Beanstandet wurden dabei immer wieder weite Umwege, wie der Autoclub gestern in München mitteilte. In Karlsruhe war sogar bei jeder dritten Testfahrt ein unnötiger Umweg zu bemängeln. Weitere Hauptkritikpunkte waren dreckige Taxis, die Missachtung roter Ampeln und Tempo-Überschreitungen von bis zu 47 Stundenkilometern. Die schlechteste Fahrt registrierten die Prüfer in Düsseldorf: Dort fuhr der Taxifahrer über eine Ampel, die schon vier Sekunden auf Rot stand. Außerdem nahm er einen Umweg von 72 Prozent, obwohl sein Navigationsgerät eingeschaltet war. Auch andernorts nahmen es viele Fahrer mit den Verkehrsregeln und der Sicherheit ihrer Fahrgäste nicht so ernst. Mal telefonierten die Chauffeure ungeniert bei der Fahrt mit ihrem Handy, auch wenn keine Freisprecheinrichtung vorhanden war, mal wurden das Überholverbot oder die durchgezogene Mittellinie missachtet. Verbotswidriges Wenden oder falsches Einfahren in eine Einbahnstraße stießen den Testkunden ebenfalls sauer auf. "Wenn 15 Prozent der Fahrten glatt durchgefallen sind, sollte das den Verantwortlichen zu denken geben", sagt Sauter. "Da hört der Spaß auf." Oft seien Leib und Leben der Fahrgäste gefährdet. Und mit den 74 Fahrten, die nur auf ein "ausreichend" kamen, könne auch niemand zufrieden sein. Mit neuen Trainingsangeboten müsse den Fahrern eingefleischt werden, dass es sich bei ihrem Job um sensible Personenbeförderung handele. Doch es geht auch anders. Das zeigen die fünf Fahrten, die mit "sehr gut" bewertet wurden, und die 126 als "gut" eingestuften Touren. Ihnen ist zu verdanken, dass keine einzige Stadt in der Gesamtbewertung durchfiel. Testsieger mit der Gesamtnote "gut" wurde das Taxigewerbe in Potsdam, auf Platz zwei und drei kamen mit ebenfalls "gut" die Städte Braunschweig und Augsburg. Mit "gut" schnitten auch Essen und Chemnitz ab. Nur ein "ausreichend" schafften dagegen Halle (Saale), Rostock, Kiel, Bremen, Düsseldorf, Wiesbaden und Testverlierer Karlsruhe. Die Tester waren bei ihrer Stichprobe in den zwölf Städten jeweils in 20 Taxis inkognito unterwegs. Bewertet wurden die Kategorien "Verhalten des Fahrers", "Routentreue" sowie "Zustand des Fahrzeugs". Ganz angetan waren die Testkunden von zwei Taxifahrern in Bremen, die ihnen sogar noch einen Stadtplan schenkten. Nur noch sprachlos waren sie andernorts bei Fahrern, die beim Ein- und Ausladen des Gepäcks keinen Finger krümmten. Wenig vertrauenerweckend war auch ein Fahrer, den die Testkundin für eine Tagfahrt nur mit Mühe am Taxistand wecken konnte. "Bei Mängeln sollten die Taxikunden öfter das Instrument der Beschwerde nutzen", rät Sauter. "Wenn sich keiner beschwert, geht es immer so weiter wie bisher."

HintergrundAm Taxistand muss nicht unbedingt der erste Wagen in der Schlange genommen werden. Das hat sich zwar eingebürgert - es ist aber nicht verpflichtend: "Man kann die Taxe nehmen, die einem gefällt. Der Fahrer darf die Fahrt nicht ablehnen", sagt Andreas Pohl, Leiter des ADAC-Taxi-Tests. Auch Kurzstrecken müssen gefahren werden. Besteht der Verdacht auf einen überhöhten Preis wegen eines Umwegs, sollte der Fahrgast sich eine Quittung geben lassen und einiges festhalten. Wichtig sind Start und Ziel, dazu das Datum und die Uhrzeit. So lässt sich auch feststellen, ob zur Fahrzeit eventuell ein Stau oder eine Baustelle Grund für den Umweg waren. Ebenfalls zu notieren ist die Anschrift des Taxibetriebs. Die Daten legt der Passagier dann dem Ordnungsamt oder der Taxizentrale vor. dpa