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USA zittern in „Jahrhundertkälte“

USA zittern in „Jahrhundertkälte“

Schnee und klirrende Kälte haben seit Tagen große Teile der USA im Griff. Nun sollen die Temperaturen noch weiter sinken. Behörden warnen bereits vor „lebensbedrohlichen“ Bedingungen.

"Ich werde in meinem Haus gefangen sein," sagte Laura Baier am Samstag, als sie in einem Supermarkt in Minneapolis Brot, Gemüse und Getränke in ihren Einkaufswagen legte. So wie Millionen andere Bürger im Norden, Nordosten und Mittleren Westen der USA will Baier die nächsten Tage vor dem Kamin oder Heizlüfter verbringen. Denn die Menschen sehen sich mit einem einem als historisch bezeichneten Kälteeinbruch konfrontiert, der heute Temperaturen von bis zu minus 35 Grad Celsius mit sich bringen wird. "Eine Jahrhundertkälte" zitieren Medien die Meteorologen, die sogar von gefühlten Temperaturen von minus 50 Grad Celsius sprechen. "Menschliches Fleisch gefriert dabei innerhalb von nur fünf Minuten," warnte am Wochenende die Zeitung "Star Tribune" aus Minneapolis. Seit über zwei Jahrzehnten hat der Bundesstaat Minnesota solche Niedrigsttemperaturen nicht mehr gesehen, und die Schulen bleiben heute im ganzen Bundesstaat geschlossen. Auch in Illinois und der Millionenmetropole Chicago darf bei minus 30 Grad Celsius gezittert werden. Die Stadt Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania erwartet wie die umliegenden Regionen immerhin noch minus 25 Grad Celsius. Auch North wie South Dakota sowie Iowa und Nebraska werden von diesem arktischen Kälteeinbruch betroffen sein, den die Behörden als "lebensbedrohlich" für all jene bezeichnen, die kein Dach über dem Kopf oder keine Heizung haben. Vorausgegangen waren seit Freitag bereits heftige Schneefälle vor allem im Nordosten der USA, die auch in New York und Washington für erhebliche Behinderungen und landesweit für die Streichung von mehr als 5000 Flügen gesorgt hatten.

Rund 140 Millionen Menschen, so schätzt der Sender CNN, sind derzeit von dem Schnee- und Kälteeinbruch betroffen. Das ist mehr als ein Drittel der US-Bevölkerung. Ein für gestern Nachmittag angesetzes Playoff-Spiel der amerikanischen Football-Profiliga zwischen den "Green Bay Packers" und den "San Francisco 49ers" in Wisconsin sollte dennoch stattfinden und deshalb als eine der kältesten Veranstaltungen in die US-Sportgeschichte eingehen. Medien erinnerten vor dem Spiel an die legendäre "Ice Bowl" von 1967, als manchen Stadionmusikern bei ähnlichen Wetterbedingungen die Lippen an den Blasinstrumenten festfroren. Mediziner rieten nicht nur den Sportfans, beim Verlassen des Hauses mindestens drei Schichten Thermo-Kleidung zu tragen und möglichst alle Hautflächen zu bedecken.