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Unter Corona-Absagen leiden in Frankreich die Produzenten von Stopfleber.

Umsätze brechen ein : Kein fettes Jahr für Stopfleber-Hersteller

Wegen Corona sind viele Feste abgesagt worden, darunter leiden auch die französischen Produzenten von Foie Gras.

Ein Glas Rotwein, frisches Baguette mit Foie Gras und sofort wähnt sich jeder Franzose im siebten Himmel. Bei Familienfeiern gehört eine Terrine mit der typischen Gänsestopfleber zu den Höhepunkten der festlichen Tafel. Weihnachten und Neujahr sind für die Hersteller der Foie Gras aus diesem Grund wahre Freudentage. Doch die Corona-Pandemie macht ihnen in diesem Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung. „Keine großen Familienfeiern“, warnen Mediziner und Politiker ohne Unterlass, das Virus soll sich nicht ungehindert im ganzen Land verbreiten können.

Für die Hersteller der Foie Gras, zubereitet aus der Leber von jungen Enten oder Gänsen, ist diese Ansage allerdings nur das Ende eines katastrophalen Jahres. In den vergangenen Monaten sind wegen der Pandemie im ganzen Land praktisch alle großen Treffen, Bankette oder Volksfeste gestrichen worden. Fabien Chevalier, Geschäftsführer des Konserven-Herstellers Lafitte, klagt, dass damit die „schönen Spitzen des Konsums“ wegfielen. Der Umsatzrückgang im Jahr 2020 wird vom Branchenverband auf satte 40 Prozent taxiert. Nach dessen Angaben arbeiten rund 100 000 Menschen direkt oder indirekt in der Stopfleber-Produktion in Frankreich.

Doch die Hersteller der typischen Stopfleber sind Kummer gewöhnt. In den vergangenen Jahren mussten sich die Geflügelzüchter gleich mehrere Male mit der Vogelgrippe herumschlagen. Der Präsident der Fleischerzeuger, Benjamin Constant, sagt, dass deshalb allein im Jahr 2018 Verluste von geschätzt 50 Millionen Euro eingefahren wurden. Negativ ausgewirkt habe sich dann 2019 ein neues Gesetz, das Super-Sonderangebote in Supermärkten verbietet. Damit sollen kleine Geschäfte geschützt werden, getroffen werden aber natürlich auch die Hersteller.

Immer schwerer zu schaffen machen den Erzeugern im Heimatland der Spezialität aber auch die Proteste von Tierschützern. Ende August veröffentlichte die Organisation L214 wenig appetitliche Aufnahmen aus einer Entenzucht in Lichos im Bezirk Pyrénées-Atlantiques. Die Züchter traten daraufhin die Flucht nach vorn an. „Wir verurteilen solche Zustände nicht nur, wir werden dagegen auch energisch vorgehen“, sagte Michel Fruchet, Präsident des Verbandes der französischen Foie-Gras-Erzeuger. Solche Bilder seien „Warnschüsse“, sie würden helfen, schlimme Haltungsbedingungen zu vermeiden.

Was folgte, war eine noch nie dagewesene Charme-Offensive. Züchter luden die Öffentlichkeit in ihre sonst streng abgeriegelten Höfe ein. Die Besucher konnten „alles über die typische Speise unserer französischen Kultur und Gastronomie“ erfahren, verkündete der Verband. Dazu gehörte die Information, dass es Enten und Gänse in den Genen liege, Fett zu speichern oder dass die eigentliche Stopfphase nur zehn Tage lang dauern würde. Fraglich ist, ob damit die Gegner dieser Methode überzeugt werden konnten.

Inzwischen versuchen die Hersteller auch, die Foie Gras mit neuen Rezepturen weiterzuentwickeln und für neue Kundenschichten interessanter zu machen. Lafitte bietet etwa Stopfleber mit einem leichten Zitronengeschmack an oder Delpeyrat setzt auf die Veredelung durch Trüffel. Auch machen sich die Züchter daran, die anderen Teile der geschlachteten Tiere besser zu vermarkten. Im Angebot sind inzwischen schon Tacos oder Hamburger mit Entenbrust. Verbandspräsident Michel Fruchet blickt angesichts dieser Aktivitäten verhalten optimistisch in die Zukunft und er hofft, trotz der kommenden schwierigen Tage den Umsatz halten zu können. Das wäre dann, sagt er, ein schöner Erfolg.