Unglücksjahr über den Wolken

Unglücksjahr über den Wolken

Vier große Flugkatastrophen in einem Jahr, fast 1000 Todesopfer im Flugverkehr – es ist eine beunruhigende Bilanz für das Jahr 2014. Dennoch ist das Fliegen immer noch eine der sichersten Arten zu Reisen.

Das Jahr 2014 ist für die kommerzielle Luftfahrt ein tragisches Ausnahmejahr. Eine spektakuläre Unglückskette könnte Zweifel an der Sicherheit im Luftverkehr aufkommen lassen. "Sind die sicheren Zeiten nun vorbei?", fragt das renommierte Fachmagazin "Aero International" bereits bang. Es hat die jährliche Unfallbilanz des "Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre" (JACDEC) in Hamburg analysiert, die weltweit auf insgesamt 970 Tote in der Verkehrsfliegerei kam. Die Zahl ist fast viermal so hoch wie im Vorjahr (251 Tote). "2014 war in der Tat ein Negativjahr nach drei exzellenten Jahren mit stetig sinkenden Opferzahlen ", schreibt das Luftfahrtmagazin.

Das ebenfalls auf Flugunfälle spezialisierte Aviation Safety Network (ASN) nennt es das Jahr mit Hinweis auf die insgesamt 33 Millionen Flüge dennoch eines der sichersten der Geschichte. Auf 4,1 Millionen Flüge kommt ein tödlich verunglückter Passagier.

Nicht einen Unfall mit mehr als 100 Toten gab es 2013. Im vergangenen Jahr waren es vier - somit ist der jahrelange Trend sinkender Opferzahlen gebrochen. Und in keinem Fall sind offiziell die genauen Umstände bekannt. Die drei Unglücke mit den meisten Toten standen 2014 im Zusammenhang mit malaysischen Fluglinien. Im März der bis heute spurlos verschwundene Malaysia-Airlines-Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord. Dann der Unglücksflug MH17, der im Juli mit 298 Menschen an Bord über dem umkämpften Osten der Ukraine wahrscheinlich nach Raketenbeschuss abstürzte. Und wenige Tage vor dem Ende des Jahres der Absturz eines AirAsia-Flugzeuges auf dem Weg nach Singapur. Hier gilt ein Zusammenhang mit Extremwetter als wahrscheinlich - ebenso wie im Falle einer von Air Algérie geleasten und im Juli über Westafrika abgestürzten Maschine.

Als bisher einmalig gilt, dass zwei Großraum-Jets derselben Fluggesellschaft innerhalb von vier Monaten unter seltsamen Umständen verunglückten. Im JACDEC-Sicherheitsranking der 60 sichersten Airlines der Welt rutschte Malaysia Airlines daher nun von Platz 34 auf 57. Mysteriös ist zudem, dass trotz einer der größten Suchaktionen der Luftfahrtgeschichte die Boeing von Flug MH370 unauffindbar geblieben ist. Der Fall gibt Forderungen neue Aktualität, weltweit alle Verkehrsflugzeuge mit automatisch funkenden Datensendern auszustatten. Sie kamen bereits nach dem fatalen Air-France-Unglücksflug AF447 über dem Atlantik auf. Zudem zeichnet sich nach dem Absturz über der Ukraine eine ernsthafte Debatte unter den Airlines darüber ab, welche Risiken mit dem Überflug von Krisengebieten verbunden sind.

Die Überraschung in der Rückschau der Unfallforscher ist die Region Nordamerika, wo es trotz des größten Anteils am Weltluftverkehr keinen einzigen Toten gab. Das gleiche gilt für die Region Eurasia, zu der auch Russland zählt.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie sichersten Airlines 2014 laut Flugunfallbüros JACDEC: 1. Air New Zealand , 2. Cathay Pacific Airways, 3. Finnair, 4. Emirates ; 5. Eva Air, 6. British Airways , 7. Tap Portugal, 8. Etihad Airways, 9. Air Canada , 10. Quantas. Die deutsche Lufthansa kommt auf Platz 18, Air Berlin 26, Condor 29. red