Überall sind diese Horror-Clowns

Überall sind diese Horror-Clowns

Sie lauern überall: Gruselige Clowns terrorisieren seit Monaten die Amerikaner. Mal erschrecken sie nichtsahnende Fußgänger, mal attackieren sie Passanten oder locken Kinder in den Wald. Was steckt dahinter?

Angefangen hat es Ende August im Bundesstaat South Carolina. Kinder berichteten, Clowns in bunten Kostümen hätten versucht, sie in einen Wald zu locken. Seitdem tauchen sie plötzlich überall auf: Unbekannte in Clown-Kostümen, manche mit Masken wie aus einem Horrorfilm und mit Knüppeln oder Macheten in der Hand, wurden in mehreren Landesteilen gesehen. Schulen haben anonyme Drohungen erhalten, die mit "Clown" unterschrieben waren. Nach Lachen ist niemandem zumute.

Warum die unheimlichen Clowns ausgerechnet jetzt auftauchen, ist unklar. Manche verweisen auf das nahe Halloween-Fest Ende des Monats, doch das erklärt die Ereignisse Ende August wohl kaum. Es gibt bisher rund ein Dutzend Festnahmen und Vorfälle in etwa 20 US-Bundesstaaten sowie in Kanada.

In manchen Fällen ist die Clown-Panik wohl nur das Ergebnis von Teenager-Streichen, die im Zeitalter von Online-Medien und Schulmassakern entgleisen. In Kalifornien wurde ein 14-Jähriger festgenommen, der über Instagram unter dem Titel "Killer Clowns " Drohungen gegen eine Schule veröffentlichte. Dieser Teenager wollte sich, so die Polizei , nur wichtig machen. Andere Vorfälle sind weniger harmlos. In der Nähe von San Francisco berichtete eine Frau, ein Clown habe sich ihr und ihrer einjährigen Tochter genähert. "Zuerst dachte ich, er wolle ihr die Hand küssen", sagte Tiffany Martin. Doch dann zerrte der Unbekannte am Arm des kleinen Mädchens, als wolle er sie mitreißen. Martin trat auf ihn ein, bis er losließ.

In Wisconsin wurde ein 20-Jähriger, der spätabends in einem Clown-Kostüm gesehen wurde, von der Polizei festgenommen - er trug eine Waffe bei sich. In Massachusetts evakuierte die Leitung einer Uni ein Wohnheim, nachdem in sozialen Netzwerken von einem bewaffneten Clown auf dem Gelände die Rede war. In anderen Fällen wurden Clowns mit langen Messern gesichtet. Verletzt wurde bisher niemand, doch die Polizei in Connecticut kündigte das sofortige Einschreiten gegen Verdächtige in Clown-Kostümen an, die andere Bürger bedrohen oder erschrecken.

So groß ist die Clown-Panik inzwischen, dass professionelle Spaßmacher von Repressalien berichten, weil sie für Unruhestifter gehalten werden. Clown Justin Brodie sagte auf CBS, er werde bei Auftritten neuerdings beschimpft. Außerdem hätten Unbekannte sein Auto mit Müll überschüttet. Selbst das Weiße Haus in Washington kann dem Phänomen nicht entgehen. Josh Earnest, Sprecher des Präsidenten, erklärte jüngst, dass die Polizeibehörden vor Ort die Sache sehr ernst nähmen. Auch Horror-Altmeister Stephen King meldete sich zu Wort: Die meisten Clowns seien doch lustig, schrieb er auf Twitter . "Es ist an der Zeit, die Clown-Hysterie runterzufahren."

Experten sind sich sicher, dass die Allgegenwart sozialer Medien bei der Clown-Welle eine Rolle spielt. Ängste könnten sich mit Hilfe der sozialen Medien in Windeseile auf der ganzen Welt verbreiten, warnte Psychiatrie-Professorin Gail Saltz der CBS. Tatsächlich gibt es inzwischen Clown-Sichtungen auch fernab der USA - beispielsweise in Australien und in Großbritannien. Mehrere Twitter-Konten versprechen ihren Nutzern die "furchteinflößendsten" Clown-Episoden.

Zumindest zum Teil stecken wirtschaftliche Interessen hinter der Clown-Mania. Wie CNN meldete, erwies sich ein Video-Clip eines Horror-Clowns, das 1,5 Millionen Mal angeklickt wurde, als Reklame für ein Halloween-Fest in Massachusetts.

Manche vergleichen die Clownereien mit der Aufregung über das Online-Monster Slenderman, das Millionen Internetnutzern in seinen Bann geschlagen hat. Auch Slenderman ist mehr als nur Unterhaltung: Vor zwei Jahren stachen zwei zwölfjährige Mädchen in Wisconsin auf eine Klassenkameradin ein, um sie zu töten - sie wollten Slenderman gefallen. Das Opfer überlebte. Den Mädchen drohen Haftstrafen von jeweils bis zu 45 Jahren.